Beatrix und Bernd: Koblenz ist Leben und Erleben

Zeitgleich zum Ausscheiden stellt der Fotograf Günter Weber die Fotos für das Projekt nicht mehr zur Verfügung. Dieser Beitrag ist daher ohne Fotos. Die Fotos werden nach und nach wieder ergänzt.

Der Jesuitenplatz, der Platz im Herzen der Koblenzer Altstadt, lädt zum Verweilen ein. In den vielen Cafes und Restaurants genießen Einheimische wie Touristen gleichermaßen das schöne Ambiente. Auch wir sind heute hier, zusammen mit Beatrix und Bernd. In der gemütlichen Espressobar „Galestro“ plaudern wir entspannt über die Heimatstadt der beiden „echten Schängel“.

Ihr seid gern an diesem Platz, stellen wir fest. Beide nicken uns zu.
Das ist unser Lieblingsplatz, sagt Bernd und Beatrix ergänzt, es ist wie im Urlaub hier. Es gibt so viele schöne Cafes und Restaurant, man kann hier überall gemütlich draußen sitzen, Kaffee trinken, lecker Essen, dem bunten, frohen Treiben zuschauen. Urlaubsfeeling, eben. Beatrix lässt ihren Blick schweifen. Irgendwie scheint sie tatsächlich gerade in Urlaubsstimmung zu kommen.
Das ist auch eines unserer Lieblingscafes. Wir sitzen hier oft und genießen Cappuccino oder Espresso, bevor wir dann weiter durch die Altstadt bummeln,
sagt Bernd und probiert den so eben gereichten Cappuccino. Er lächelt zufrieden.

Der schlossartige Jesuitenplatz mit seinen schönen Bürgerhäusern, Türmen und Portalen erhielt seinen Namen von der gleichnamigen Ordensgemeinschaft, die dort von 1580 bis 1773 wirkte. Am Platz befindet sich die Jesuitenkirche (heute: Citykirche); seit 1895 auch das Rathaus der Stadt. Bernd weist uns auf das Denkmal des Koblenzer Physiologen und Anatomen Johannes Müller hin, einem der bedeutendsten Physiologen des 19. Jahrhunderts. Ich glaube, diesen Koblenzer kennen heute nur noch wenige, meint er und blickt wieder nach draußen.

So eine schöne Stadt!

Was gefällt euch an eurer Stadt?
Oh, sagt Beatrix begeistert, die Festung Ehrenbreitstein, der weite Blick von dort oben, das Deutsche Eck, die Flüsse, die Gegend. Die Stadt hat sich so positiv entwickelt. Bernd nickt seiner Frau bestätigend zu und ergänzt, unsere Stadt hat durch die BUGA 2011 enorm gewonnen, an Wert und Image. Wir haben eine gute Universität in der Stadt, attraktive Stadtteile, nehmt Güls als einen der ersten Weinbauorte. Aber nicht nur die Stadt selbst ist toll. Wir haben auch eine beeindruckende, wechselhafte Geschichte. Koblenz ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Dass die beiden Koblenzer stolz auf ihre Stadt sind, spüren wir bei jedem Wort. Beatrix schmunzelt, viele kennen Koblenz, das beeindruckt mich immer wieder. Wenn wir im Urlaub gefragt werden, woher wir kommen und dann Koblenz antworten, nicken die Menschen begeistert und sagen, ja, da waren wir auch schon, so eine schöne Stadt!

Beatrix und Bernd haben beruflich wie privat viel von der Welt gesehen. Sie sind neugierig auf andere Länder und Kulturen, reisen viel, ihre Wurzeln aber sind hier. Sie sind hier daheim. Wenn wir auf dem Rückweg aus dem Urlaub sind und die ersten Häuser von Koblenz sehen, denken wir immer, ach, jetzt sind wir wieder zuhause. Beatrix sagt dies sehr leise und sehr glücklich, wir erfreuen uns an dieser Stadt. 

Natürlich sind wir neugierig und wollen wissen, ob es etwas geben könnte, was sich noch verbessern ließe. Jetzt wird Bernd noch lebhafter. Ja sicher, da fallen mir so manche Dinge ein. Die Parksituation in der Innenstadt, warum diese hohen Gebühren? Es macht einfach keinen Spaß mehr, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Und dann die maroden Straßen, die vielen Baustellen, die den Verkehr zäh werden lassen. Kann man das nicht besser planen? Apropos Planen, Umsetzen und Koblenz… Jetzt unterbrechen wir Bernd erst einmal, denn wir wollen auch von Beatrix wissen, was ihr in Koblenz nicht so gut gefällt.

In Koblenz stehen leider viele Geschäfte leer. Die Menschen fahren eher in die vor der Stadt liegenden Gewerbegebiete, was sicher auch an den hohen Parkgebühren liegt, bekräftigt Beatrix die Aussage ihres Ehemannes. Zudem könnte die Stadt sauberer werden, einfach mal ein paar Mülleimer mehr aufstellen und so mancher Platz, wie zum Beispiel vor dem eGELOSIa, ist dann sicher nicht so mit Abfällen übersät. Wäre doch ganz einfach, stellt die positiv denkende Koblenzerin fest, die das Stadtleben dem Landleben immer vorziehen würde.

Ja und ein Markt wäre doch toll, beginnt nun Bernd wieder und seine Augen blitzen hinter der dunkel gerandeten Brille. Nicht nur diese drei, vier Marktbuden in der Schloßstraße, so ein richtiger Wochenmarkt in der Innenstadt, mit vielen Einkaufsangeboten und kleinen Plätzen zum Verweilen. Der Zentralplatz bietet sich dafür meiner Meinung nach an. Dieser wird eh nicht so gut genutzt und etwas Leben würde dem Betonplatz gut tun. Ach, das wäre schön, aber in Koblenz ist man nicht so spontan. 

Das interessiert uns jetzt aber! Wir sind sehr gespannt, was uns der lebensbejahende Koblenzer erzählen wird. Wisst ihr, beginnt er, einer der „Lieblingssätze“ hier ist „da müssen wir mal schauen“. Und dann wird tatsächlich erst mal geschaut, man hat eine Idee oder will etwas verwirklichen, ist mit Herz und Engagement dabei und dann… Beatrix vollendet den Satz spontan, dauert es eben länger. 

wir sind nicht anders als Andere…

Liegt das an der Mentalität der Koblenzer, fragen wir. Wie sind sie, die Koblenzer?
Jetzt ist das Ehepaar nicht ganz einer Meinung. Bernd ist kritischer als Beatrix. Doch sie lässt sich nicht beirren, wir sind nicht anders als Andere, stellt sie fest und blinzelt ihrem Mann zu.

Was würdet ihr einem Fremden zeigen, der zum ersten Mal nach Koblenz kommt?
Beide antworten gemeinsam, das Deutsche Eck und die Festung Ehrenbreitstein, natürlich eine Seilbahnfahrt, ist sich Beatrix sicher. Der sportliche Koblenzer hingegen würde lieber eine kleine Schiffstour machen, bevor sie dann gemeinsam in einer Winzerwirtschaft den Abend ausklingen lassen.

Habt ihr Wünsche an eure Stadt?
Jetzt lachen sie fröhlich und ansteckend. Wieviel Zeit haben wir?, scherzt Bernd. Er wünscht sich einen zügigeren Verkehrsfluss durch die Stadt, das entlastet auch die Umwelt. Und Beatrix erinnert noch einmal die Sauberkeit. So wäre ihre Stadt für sie noch attraktiver.

Die Zeit mit dem sympathischen Ehepaar aus dem Stadtteil Güls ist rasend schnell vergangen. Wir haben begeistert zugehört und vieles über ihre Stadt erfahren. Zum Abschluss bitten wir sie noch, uns Koblenz mit fünf Begriffen oder Sätzen zu beschreiben. Für Beatrix ist Koblenz: meine Stadt, liebenswert, bunt, eine Reise wert und etwas für Nachtschwärmer. Für Bernd ist Koblenz: Kommunikativ, Offen, Betriebsamkeit, Lebens- und liebenswert, Entwicklungsfähigkeit, NaherholungZukunfsorientierung. Mehr als fünf Worte, dafür aber Koblenz!

Er nimmt Beatrix bei der Hand, zwinkert uns zu und bummelt Richtung Ausgang, auf den Jesuitenplatz. Es war ein schöner, gemeinsamer Nachmittag im Herzen der Koblenzer Altstadt.

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Beatrix Wenig, Jg. 1959, Verwaltungsangestellte | Bernd Wenig, Jg. 1952, Privatier (alias: Albert von Locke), beide in Koblenz geboren
Lieblingsplatz: Jesuitenplatz in der Koblenzer Altstadt

 

6 Kommentare

  1. Wir wohnen jetzt seit einem Jahr in Koblenz, mitten in der Altstadt (Entenpfuhl-Braugasse) und können dem Bericht nur zustimmen! – Koblenz ist wirklich eine tolle Stadt. Nur mit der Verkehrsregelung haben sie’s hier nicht so. Da ist uns schon so einiges aufgefallen, das in ein paar Minuten (Anpassung) den Verkehrsfluss erheblich verbessern könnte…. Ansonsten: sieht man uns auch regelmässig auf dem Jesuitenplatz!!

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir freuen uns wenn auch Ihnen unsere Stadt so gut gefällt. Vielleicht mögen Sie auch mit einem Beitrag an unserem Projekt teilnehmen und uns Ihre Geschichte erzählen?

  2. Ich bin eine geborene Koblenzerin. ( Ein Schängel) Lebe aber schon über 40 Jahr in den USA.
    Es ist egal wo ich hin gehe, mein Herz ist immer in Koblenz. Für mich ist es einer der schönsten Städte wo man leben kann. Der schöne Rhein und die Mosel. Die Weinberge mit ihren alten Burgen und dem herrlichen Wald.
    Es ist wie in einem Märchen. Ich vermisse meine Heimatstadt sehr.

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