Henny: Das gibt es nirgendwo auf der Welt!

Zeitgleich zum Ausscheiden stellt der Fotograf Günter Weber die Fotos für das Projekt nicht mehr zur Verfügung. Dieser Beitrag ist daher ohne Fotos. Die Fotos werden nach und nach wieder ergänzt.

Der erste schöne Sonnentag im Mai, strahlend blauer Himmel und wir sind schon fasziniert von der wunderbaren Kulisse noch bevor wir Henny am Moselufer im Stadtteil Lützel treffen. Henny sitzt auf einer Bank und schaut über die Mosel zum Deutschen Eck hinüber. Ist das nicht wunderschön hier, begrüßt sie uns und lacht herzlich, schaut euch doch einfach mal um. Das ist mein Lieblingsplatz in Koblenz. Dieser Blick hinüber zu unserem Eck, weiter hinauf zur Festung, dann unterhalb der Stadtteil Ehrenbreitstein, schaut doch dort, das Deutschherrenhaus, die Kastorkirche und dahinten, das ist die alte Moselbrücke, schwärmt sie und zeigt begeistert in alle Richtungen. Welch ein Panorama, das gibt es nirgendwo auf der Welt. Ist das nicht toll!

Ja, auch wir sind begeistert und möchten sofort wissen, wie Henny ihren Lieblingsplatz entdeckt hat. Sie erzählt uns fröhlich, dass sie gerne und viel mit dem Rad die Gegend erkundet. Irgendwann bin ich mit der Moselfähre, „dat Liesel“ wie man hier sagt, auf die andere Moselseite übergesetzt. Die Fahrt ist ein kurzes Vergnügen, aber man sieht dabei so viele Koblenzer Sehenswürdigkeiten.

Diese Personenfähre verkehrt von Mai bis September immer nach Bedarf zwischen dem Deutschen Eck und dem Campingplatz im Stadtteil Lützel und bietet 25 Personen Platz. „Liesel“, die in der dritten Familiengeneration betrieben wird, hat 34 PS und wirkt „charmant, wie aus der Zeit gefallen“. Eine Fahrt mit Liesel ist ein absolutes Muss, bekräftigt Henny und lacht dabei wieder so fröhlich.

Gemeinsam bummeln wir in Richtung eines Lokals auf dem naheliegenden Campingplatz. Auf dem Weg verrät uns Henny, dass sie schon immer am Rhein gelebt hat. Sie ist in Kleve/Niederhein geboren, in Brohl aufgewachsen, später nach Andernach gezogen und hat dort lange gelebt. 1989 ist Henny nach Koblenz umgezogen. Noch einmal neu angefangen, sagt sie bestimmt, und seit zwanzig Jahren lebe ich nun hier, jetzt in der Südallee. Ich bin kein echtes Schängelchen, aber das macht doch nix, oder?, scherzt sie mit uns.

Dann wird Henny ernst. Sie erzählt uns, dass die Südallee eine Allee im klassischen Stil ist, wie es nur noch wenige, auch in anderen deutschen Städten gibt. Links und der rechts der Straße stehen viele interessante Gebäude unterschiedlicher Baustile. Sie ärgert sich, dass diese, eigentlich Prachtstraße, so wenig Beachtung in der Stadtentwicklung bekommt. Es ist immer schmutzig hier, unzählige Hundehaufen, seit Jahren wird immer wieder davon gesprochen, die Allee herzurichten und nix passiert, ärgert sich Henny. Es dauert eben in der Stadt alles länger, aber das wisst ihr ja bereits, nickt uns die engagierte Koblenzerin zu. Dabei ist diese Allee so wunderschön, ganz besonders im Mai und Juni, wenn alles blüht. Henny schüttelt noch einmal kurz den Kopf, bevor sie uns bittet, ihr die nächste Frage zu stellen.

Und das tun wir auch sofort und fragen ganz bewusst, was Henny an ihrer Stadt nicht so gut gefällt und ob sie Wünsche hat. Na, ihr stellt ja vielleicht Fragen, da muss ich erst einmal nachdenken. Und dann blitzen Hennys Augen kämpferisch. Natürlich habe ich Wünsche an meine Stadt, aber ich würde mich eher freuen, wenn daraus Taten werden würden. Nehmt den Leerstand der Geschäfte in der Innenstadt, dann die vielen „Billigläden“. Ist das schön? Nein, das verschandelt unsere Stadt und lädt nicht zum Bummeln ein. Auch wenn das vielleicht in anderen Städten ähnlich sein mag, hier müsste dringend etwas verändert werden. Ich habe noch so viele Fotos von alteingesessenen Geschäften in der Stadt. Das war noch schön! Und dann wünsche ich mir noch einen Wochenmarkt, natürlich auf dem Münzplatz, eben dort wo der Markt früher war und für mich immer noch hingehört. Im Stadtteil Ehrenbreitstein ist das doch auch gelungen, Ach, da bin ich übrigens oft, vielleicht treffen wir uns ja einmal.

Die unternehmungslustige Rentnerin ist viel in ihrer Stadt unterwegs. So pilgert sie gerne am Morgen zum Deutschen Eck, genießt die Burgenrundfahrten per Schiff, gondelt mit der Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein, vor allem dann wenn Musik erklingt, oder besucht Veranstaltungen im Cafe Hahn. Ich fühle, dass die Stadt lebt, und ich bin mittendrin, sagt Henny stolz. Und seit der BUGA 2011 sowieso. Ich freu mich schon auf die nächste BUGA in Koblenz, auch wenn ich dann vielleicht nicht mehr ganz so jung bin, scherzt Henny nun wieder. Dann nimmt sie meine Hand und sagt leise, was haben wir es doch schön hier, lass es uns genießen!

Ja, wir nicken und schauen hinüber zu Hennys Lieblingsplatz, lassen unseren Blick hinauf zur Festung schweifen. Mit einem Fremden würde Henny auf jeden Fall mit der Seilbahn hinauf fahren, aber sie würde auch einen langen Spaziergang am Rhein entlang machen, beginnend am Kaiserin-Augusta-Denkmal in den Rheinanlagen bis zur Altstadt. Zum Abschluss würden sie eines der typischen Koblenzer Lokale besuchen, zum Beispiel die „Winninger Weinstuben„. Und da ist man dann nicht lange allein, wie uns Henny berichtet, denn die Koblenzer erzählen gerne, auch wenn sie Fremden gegenüber erst einmal skeptisch sind.

Wie würdest du einem Fremden deine Stadt kurz und knapp beschreiben, fragen wir zum Abschluss unseres Gesprächs. Koblenz ist für mich, so Henny, der schönste Teil im Mittelrheintal, der Mittelpunkt zwischen Hunsrück, Eifel und Westerwald, eine Festungsstadt, aber für mich besonders wichtig: offen, bunt und tolerant. Und auch wenn ich jetzt schon die fünf Begriffe aufgebraucht habe, sagt Henny fröhlich, Koblenz ist Heimat! Und wisst ihr, das schönste Wort der Welt ist für mich „Levje“ (Liebchen). Hennys Augen glänzen, aber wir fragen jetzt nicht, woran sie gerade denkt.

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Henny Monzel Ellermann, Jg. 1943, musikbegeisterte Rentnerin
Lieblingsplatz: Moselufer im Stadtteil Lützel

 

8 Kommentare

  1. Henny und jetzt habe ich Gänsehaut! Und es tut immer so gut, wenn du zu mir Levje sagst! Ich will es von dir noch ganz oft hören meine liebe Freundin. Fühl dich umarmt

  2. Oh Gott, ich bin ja ganz gerührt
    Über die Kommentare von lieben Freunden die ich alle in meinem schönen Koblenz kennen gelernt habe .
    Danke an euch alle ,
    Es ist wunderschön das wir uns
    irgendwann begegnet sind.
    Das macht das Leben liebenswert

    1. Liebe Henny, herzlichen Dank für deine Ausführungen, die mich sehr angesprochen haben. Deine Bilder haben für mich eine starke Aussagekraft, auch dafür herzlichen Dank. Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute.

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