Nadja: Der Blick auf die andere Rheinseite

Blick vom Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein auf die andere Rheinseite

Nadja, eine junge Arzheimerin, muss ich zunächst überzeugen, etwas über Koblenz zu erzählen. Ich lebe und studiere hier, sagt Nadja, was soll ich dir denn besonderes erzählen? 

„Man kam aus dem kleinen Arzheim in die große Stadt.“

Ich bin darüber etwas verwundert und frage direkt nach. Fühlst du dich denn nicht als Koblenzerin? Nadja schmunzelt.
Doch, schon, obwohl ich in Lahnstein geboren und in Arzheim, einem Höhenstadtteil von Koblenz, aufgewachsen bin. Von Arzheim aus, lag Koblenz immer irgendwie auf der anderen Seite. Als Kind bin ich mit meiner Mutter und meiner Oma an den Wochenenden oft am Rheinufer in Ehrenbreitstein spazieren gegangen. Mich faszinierte dieser Blick über den Rhein auf die andere Uferseite, hin zu den vielen Spaziergängern und Radfahrern. Das sah nach Leben aus. Manchmal sind wir dann mit der Fähre „nach drüben“ gefahren. Der Rhein war für mich als Kind unendlich breit. Angekommen auf der anderen Seite war das ein Ausflug wie „in ein eine andere Welt“. Man kam aus dem kleinen Arzheim in die große Stadt. 

Ist das Rheinufer dein Lieblingsplatz, frage ich und erhalten ein heftiges Kopfnicken. Und dann sagt Nadja bestimmt, ja, aber das Rheinufer in Ehrenbreitstein. Wenn ich Zeit habe, gehe ich oft mit meiner Hündin Bessy genau dort spazieren. Sie lächelt, und dann denke ich immer an die Sonntagsspaziergänge zurück. Heute ist die Sicht auf die andere Uferseite immer noch faszinierend, aber der Rhein, der ist irgendwie kleiner geworden.

Abendspaziergang mit Hündin Bessy am Rheinufer, Nadjas Lieblingsplatz

Würdest du einem Fremden diesen Platz zeigen, wenn er zum ersten Mal in deiner Heimatstadt ist? Spontan antwortet Nadja.
Nein! Mit einem Fremden mache ich einen langen Spaziergang auf der anderen Uferseite. Er soll das Leben in dieser Stadt spüren, dabei den Blick auf die Festung Ehrenbreitstein genießen. Danach gehen wir in die Koblenzer Altstadt, in eines der vielen kleinen Cafes, oder wir gehen Eis essen an der Liebfrauenkirche, oder wir setzen uns mitten auf den „Plan“, einem Platz in der Altstadt oder...

Nadja

Nadja beginnt zu schwärmen. Und so stelle ich ganz bewusst die Frage, ob sie sich in dieser Stadt wohlfühlt und wie die Menschen hier sind. Sie überlegt nur einen kurzen Moment.
Ja, ich bin schließlich hier groß geworden. Es ist alles vertraut, gewohnt, nix Fremdes. Hier sind meine Wurzeln, auch wenn ich später nicht unbedingt in Koblenz bleiben mag. Ich will erst einmal etwas von der Welt sehen und dann … vielleicht komme ich ja irgendwann wieder.

wir mögen das Bunte in dieser Stadt…

Und die Koblenzer? Nadja ist ehrlich. Sie empfindet die Koblenzer eher als speziell, eigensinnig, skeptisch gegenüber Neuem. Die Menschen brauchen etwas Zeit zum „warm werden“, aber wenn sie jemanden ins Herz geschlossen haben, dann ist das für immer. Wir mögen das Bunte in dieser Stadt, wir freuen uns über jeden Gast, jeden, der hier seine „Zelte aufschlägt“.

Und was würdest du einem Fremden spontan über deine Heimatstadt sagen?
Das ist ganz einfach, meint Nadja und lächelt, Koblenz ist „klein aber fein“, dazu sehr abwechslungsreich, von allem ist etwas dabei und wer hier nicht bleiben mag, weil er sich nicht wohlfühlt, der… Sie vollendet den Satz nicht, aber man kann ahnen, was die junge Koblenzerin sagen würde.

Zum Schluss überzeuge ich Nadja, ihre Stadt noch mit fünf Begriffen zu beschreiben. Für sie ist Koblenz, die Stadt an Rhein und Mosel, gemütlich, authentisch, einzigartig, Heimat eben.

Hast du Wünsche an deine Stadt?
Viele, aber vor allem bessere und preiswerte öffentliche Verkehrsmittel. Und, das wir Koblenzer etwas gelassener werden, geduldiger …

Dann schweigen wir. Nadja hat viel erzählt in den zwei Stunden unseres Spaziergangs. Sie ist selbst etwas verwundert, wie einfach es sich über Koblenz plaudern lässt. Ihre anfängliche Skepsis, nichts Besonderes erzählen zu können, versteht sie nun selbst nicht mehr. Ich war zehn Wochen in Sri Lanka, beginnt sie plötzlich, und dort habe ich gespürt, wo meine Heimat, mein Zuhause ist, in Koblenz.

Am Rheinufer im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein


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Nadja E.
, Jg. 1993, Studentin, geboren in Lahnstein, aufgewachsen in Koblenz, Arzheim
Lieblingsplatz: Rheinufer in Koblenz, Ehrenbreitstein

 

 

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