Rita und Henning Wulf: Melbourne, Koblenz und eine Vinothek mit Seilbahnanschluss

An einem warmen Augustsommertag bin ich erneut für mein Schreibprojekt in der Koblenzer Altstadt unterwegs. Die Cafés an den vielen schönen Plätzen sind gut besucht. Durch die kleinen Gassen mit den verschiedenen kleinen Geschäften bummeln entspannt Touristen. Kinder spielen an den Brunnen und aus dem langsam vorbeifahrenden Altstadtexpress sind unterhaltsame Erklärungen zu hören. Es riecht nach Sonnencreme, Parfüm, Kaffee, Gewürzen und Zigaretten. Unsere Stadt lebt, stelle ich wieder einmal fest. Als ich 1994 nach Koblenz kam, habe ich die Stadt ganz anders wahrgenommen.
Wie war mein erster Eindruck von dieser Stadt, grüble ich und versuche mich zu erinnern?
Das wäre doch auch eine gute Frage für den Einstig in mein heutiges Koblenz-Gespräch, denke ich plötzlich. Denn schließlich sind Rita und Henning Wulf erst vor acht Jahren von Melbourne nach Koblenz gezogen.

Rita und Henning Wulf, August 2019

Während ich noch nachdenkend über den Görresplatz bummle, scheint Rita Wulf mich schon entdeckt zu haben, denn sie winkt mir einladend zu. Sie und ihr Mann Henning sitzen an einem kleinen Tisch in einem der Lokale am Platz. Das Ehepaar und ich kennen uns nur flüchtig und so bin ich vor diesem Gespräch doch ein wenig aufgeregt. . Gleich nach der angenehmen Begrüßung stellt mir Henning Wulf Felix vor. Felix, ein Welsh-Terrier, liegt entspannt zu seinen Füßen auf dem kühlen Boden. Ich hatte Wulfs Begleiter gar nicht bemerkt.
„Felix ist immer dabei. Man kennt uns eigentlich nur mit Felix“, scherzt Rita Wulf.
`Das Eis ist gebrochen´, ich zücke Notizbuch und Stift, unser Gespräch kann beginnen.

Warum haben Sie sich bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland entschieden, in Koblenz zu leben?
„Zufall, ganz viel Zufall“, beginnt Henning Wulf
„Wir haben Rheinabwärts nach einer passenden Immobilie gesucht. Wir kannten die Gegend, da wir familiären Kontakt nach Bonn hatten. Auch sind wir oft mit der Bahn durch das Rheintal gefahren. Die Landschaft hat uns ein um das andere Mal sehr beeindruckt.“
„Ja, und wir wollten nicht mehr in Frankfurt am Main leben“, ergänzt seine Frau.
„Wir suchten eher eine kleine Großstadt, mit gutem Kultur- und Unterhaltungsangebot und einer schönen Lage. In Koblenz haben wir dann das für uns passende Angebot gefunden. 2011 war der Umzug, im Jahr der Bundesgartenschau. Das war wohl der richtige Zeitpunkt. Wir waren so begeistert von der Stadt und…“, Rita Wulf schaut lächelnd zu ihrem Mann hinüber, „und wir sind es bis heute geblieben. Wir fühlen uns sehr wohl hier.“

Das Ehepaar lebt im größten Koblenzer Stadtteil, dem Stadtteil Karthause. Dieser liegt im Süden der Stadt auf einer Höhe von 174 Metern und ist aus statistischen Gründen aufgeteilt in Karthause-Nord, Karthause-Flugfeld und Karthäuserhofgelände.

Haben Sie schnell Kontakte knüpfen können?
„Auch hierbei, Zufälle und viel Glück“, antwortet Rita Wulf.
„Im Programm der Volkshochschule gab es einen Probierkreis der Koblenzer Weinfreude. Darüber haben wir rasch gute Kontakte geknüpft. Wir wurden zu privaten Treffen eingeladen, der Kreis ver-größerte sich stetig. Gute Kontakte haben sich auch über mein Engagement in Vereinen ergeben. Dabei bin ich geblieben. Ich engagiere mich zum Beispiel im Verein „Pro Konstantin e.V.“ und auch beim „MK Club“. Bei letzterem organisiere ich die eine oder andere Exkursion, und freue mich, dass sie das Interesse der Teilnehmer finden.“

„Die erste Zeit haben wir auch noch in verschiedenen Ferienwohnungen gelebt, da unser Zuhause noch nicht bezugsfertig war“, übernimmt jetzt Henning Wulf das Gespräch.
„Dadurch waren wir viel in der Stadt unterwegs und haben diese Stück für Stück entdecken können. Außerdem“, jetzt schmunzelt er zum ersten Mal an diesem Nachmittag, „über einen Hund kommt man schnell ins Gespräch.“

Ist das typisch für die Menschen hier, möchte ich wissen?
„Das weiß ich nicht“, so Henning Wulf.
„Die Koblenzerinnen und Koblenzer sind sehr aufgeschlossen und sehr nett. Das hat viel Ähnlichkeit mit den Menschen in Australien.“
„Mir ist aufgefallen“, so Rita Wulf ergänzend, „die Menschen wirken nicht ganz so fröhlich, scheinen skeptischer und besorgter zu sein als die Menschen in Australien.“

Kann man das Leben in Koblenz mit Ihrem Leben in Australien vergleichen?
„Nein“, so Rita Wulf erst, „das ist nicht vergleichbar, insbesondere weil wir ja damals auch noch gearbeitet haben Nehmen Sie aber mal nur das kulturelle Angebot. In Koblenz gibt es ja fast ein Überangebot an Kultur. Manchmal können wir uns gar nicht entscheiden, welche der angebotenen Veranstaltungen wir besuchen möchten. Auch eine Veranstaltung spontan zu besuchen, ist in Koblenz meist möglich. In Melbourne hingegen müssen Sie alles längerfristig planen. Wir haben unsere Freizeitaktivitäten allerdings beibehalten. In Melbourne hatten wir eine Wandergruppe und sind Fahrrad gefahren, in Koblenz tun wir das auch.“

…der fantastische Blick vom Festungsplateau mit einem Glas Sekt
bei Sonnenuntergang.“

Welche Kulturangebote mögen Sie?
„Das Koblenzer Stadttheater“, so Rita Wulf lebendig, „die Vielfalt der Veranstaltungen spricht uns sehr an. Auch die Musikfestivals und klassischen Konzerte, zum Beispiel im Musik-Institut oder von Musica Viva an verschiedenen, wunderschönen Plätzen, besuchen wir sehr häufig.“
„Vergiss nicht die Jazz-Konzerte oder die alternativen Konzerte, zum Beispiel auf der Festung Ehren-breitstein, fügt Henning Wulf hinzu.
„Das ist zwar nicht so ganz unsere Musikrichtung, aber das Programm in Koblenz ist eben so viel-seitig, dass für Alle etwas dabei ist.“
„Ja, die Festung“, schwärmt Rita Wulf und strahlt, „mit der Seilbahn hinauf, dann den fantastischen Blick vom Festungsplateau auf das Deutsche Eck genießen, wenn möglich bei Sonnenuntergang und mit einem Glas Sekt. Das ist einfach herrlich, nicht Henning!“

Ein kurzes bestätigendes Nicken und dann erzählt mir Henning Wulf, dass das Ehepaar allerdings öfter besondere Ausstellungen in Bonn oder Frankfurt am Main besucht.
„Da könnte Koblenz noch etwas mehr bieten“, wünscht sich mein Gegenüber.

Weitere Wünsche, möchte ich wissen?
Das Ehepaar überlegt. Nach einer Weile sind sie sicher, dass sie keine weiteren Wünsche an ihre Stadt haben. Ich lasse den beiden sympathischen Koblenzern gerne noch etwas Zeit und erkenne wenig später an Rita Wulfs Lächeln, dass ihr nun doch ein Wunsch einzufallen scheint.
„Sehr gerne würden wir, gerne auch mit unseren Gästen, eine Vinothek in Koblenz besuchen. Aber dieses fehlt noch in der Stadt. Ein architektonisch ansprechendes Ambiente, dazu ausgewählte Weine aus Koblenz…
Noch bevor Rita Wulf ihren Satz beenden kann, wünscht sich ihr Mann lieber gleich ein größeres Angebot an Weinen aus der Region: „Ich würde direkt Weine aus der weiteren Region, von Rhein und Mosel, anbieten.“
Den Einwand seiner Frau, zunächst erst einmal klein zu beginnen, scheint er nicht wahrzunehmen, denn er plant gleich weiter: „Eine Vinothek im Koblenzer Stadtteil Karthause, am besten direkt auf der Alt-Karthause, das wäre eine feine Sache. Es gibt eine Seilbahn von der Stadt hinauf, sozusagen eine direkte Anbindung.“
Henning Wulf hat `Feuer gefangen´ und mit dieser Begeisterung seine Frau direkt angesteckt: „Ja, nach dem Vorbild der Stadt La Paz. In der bolivianischen Stadt gibt es ein Seilbahnnetz bestehend aus zehn Linien. Diese Bahnen wurden auch von der Firma Doppelmayr erbaut, wie hier in Koblenz.“
„Und sind in den öffentlichen Verkehr integriert“, setzt Henning Wulf fort.
„Anders als in Koblenz, aber es wäre eine gute Idee, das öffentliche Verkehrsnetz um die Seilbahn zu erweitern. Überhaupt sollte man nachdenken, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Es kann doch nicht sein, dass eine Fahrt mit dem Taxi von der Karthause in die Stadt nur unwesentlich teurer als ein Busticket für zwei Personen ist“, setzt er nach.
„Der Verkehr in Koblenz ist eh so ein leidiges Thema. Aber das haben Sie bestimmt schon oft in Ihren Gesprächen gehört“, ist sich Rita Wulf sicher. Ich nicke zustimmend, bin aber in meinen Gedanken immer noch bei Vinothek und Seilbahn. Mein spontaner Vorschlag, eine Seilbahnverbindung von der Festung Ehrenbreitstein zur Vinothek auf der Karthause mit Zwischenhalt in der Talstation am Deutschen Eck, lässt uns herzhaft lachen. Ein fröhlicher Nachmittag.

Das Ehepaar Wulf am Rheinufer mit Blick auf die Festung Ehrenbreitstein, August 2019

Auf meine nächste Frage, was Rita und Henning Wulf in Koblenz besonders gut gefällt, sind sich Beide schnell einig: das Peter-Altmeier-Ufer bis hin zum Kaiserin-Augusta-Denkmal, das Deutsche Eck, die vielen offenen Plätze in der Altstadt, die vielen verschiedenen Restaurants, besonders das Pegelhaus mit dem fantastischen Blick über den Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein.

„Koblenz hat eine wunderbare Lage, ist umgeben von einer herrlichen Landschaft, liegt zentral und ist überschaubar“, fasst Rita Wulf zusammen.

Aber nicht nur die Stadt gefällt dem lebensbejahenden Ehepaar. Auch die terrassenförmig angelegten Weinberge an der Mosel, die Burgen am Rhein, die Vulkaneifel sind beliebte Ausflugsziele.
„Wir sind gerne und oft unterwegs, wir reisen auch viel. Aber wir kommen immer wieder gerne nach Koblenz zurück“, sagt mir Rita Wulf mit frohem Blick.

Heimat ist kein spezieller Ort…

Sind Sie in Koblenz zuhause? Was bedeutet Heimat für Sie?
„Das ist ein Gefühl und kein spezieller Ort. Heimat ist da, wo das Leben stattfindet, wo Familie und Freude sind, wo man sich wohlfühlt“, so Rita Wulf, jetzt eher nachdenklich.
„Als wir in Koblenz angekommen sind, waren wir fremd und unser neues Zuhause noch eine Bau-stelle. Wir konnten nicht direkt einziehen, mussten nach Zwischenlösungen suchen“, erzählt sie weiter“
„Aber mit unserer Einstellung `We will make it work´“, sagt Henning Wulf jetzt, „wir werden das schaffen, sind wir optimistisch geblieben, dass es schön werden wird. Heute sind wir hier zuhause und wir werden bleiben.“

Und dann schwärmen Rita und Henning Wulf von ihrem ganz persönlichen Lieblingsplatz, ihrer Terrasse mit dem herrlichen Blick vom Koblenzer Stadtteil Karthause hinunter auf die Stadt. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsplatz, seien Sie sich sofort einig gewesen, berichten sie mir lachend.
„Aber sie möchten ja auch einen Lieblingsplatz in der Stadt“, so Henning Wulf augenzwinkernd.
Und auf mein Nicken zählen sie mir die Plätze in der Altstadt, den Jesuitenplatz, den Münzplatz und den Görresplatz auf,und noch vieles mehr.

Meine nächste Frage, was sie einem Gast in Koblenz gerne zeigen möchten, lässt das Ehepaar einen Moment überlegen. Dann nennen sie mir das Deutsche Eck und die Festung Ehrenbreitstein. Nach dem Besuch auf der Festungsanlage gehen sie gemeinsam mit ihrem Gast in einem der Lokale am Rheinufer essen.
„Wenn unser Gast mag, schließen wir einen Bummel durch die Altstadt an“, plant Rita Wulf weiter.

Ihr Mann hingegen möchte lieber nach dem Essen in Richtung Winningen aufbrechen, denn schließlich soll der Gast auch die Umgebung kennenlernen.
„Und auch dort am Hexenbrunnen einen gutes Glas Wein trinken“, freut sich der Weinliebhaber.
„Es sei denn, die Vinothek im Stadtteil Karthause existiert schon. Dann werden wir dort den Tag gemütlich ausklingen lassen.“
„Nachdem wir mit der Seilbahn hinauf gefahren sind“, neckt Rita Wulf ihren Mann liebevoll.
Beide schmunzeln.

Ihr Gast würde viele schöne Eindrücke in Koblenz gewonnen haben und gerne wiederkommen.
„Es ist aber auch schön hier“, wiederholt Rita Wulf einmal mehr an diesem Nachmittag.
„Koblenz ist so lebendig und liebenswert. Aber nicht nur die Bundesgartenschau hat das Stadtbild verändert. Auch der Ausbau der Universität und der Hochschule hat viele junge Menschen nach Koblenz gezogen. Ich wünsche mir, dass die Stadt sich weiter so entwickeln wird.“

Möchten Sie mir Ihre Stadt mit fünf Begriffen oder Sätzen beschreiben?
„Wir versuchen es“, lacht Rita Wulf und bittet ihren Mann, ihr dabei zu helfen.
„Koblenz ist lebendig, offenherzig, lebenslustig, hat Charme und viele interessante Veranstaltungen.“

Ein schöner gemeinsamer Nachmittag klingt aus und ich bin überzeugt, wenn es eine Vinothek in Koblenz geben wird, werde ich die beiden Weingenießer dort ganz sicher treffen. Darauf freue ich mich jetzt schon…

Unterwegs am Peter-Altmeier-Ufer in Koblenz, August 2019

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Rita und Henning Wulf,  mit Felix, der auch in Koblenz angekommen ist.
Lieblingsplatz: Ihr Zuhause, besonders die Terrasse mit Blick auf die Stadt

 

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