Sebastian: Das „Aufstehen“ der Stadt erleben

Mit der Trennung der Projektmacher stellt der Fotograf Günter Weber die Fotos für das Projekt nicht mehr zur Verfügung. Dieser Beitrag ist daher ohne Fotos. Die Fotos werden nach und nach wieder ergänzt.

Sebastian ist in Potsdam geboren und mit seinen Eltern 1994 nach Koblenz gezogen. Er kann sich an seine erste Zeit in Koblenz nicht wirklich gut erinnern, was er behalten hat, sind der über die Ufer tretende Rhein, die Radtouren entlang an Rhein und Mosel sowie das leckere Eis essen in der Koblenzer Altstadt. Heute lebt er im Höhenstadtteil Arzheim.

Wir sitzen neben dem Koblenzer Studenten und fragen nach seiner Stadt.
Wisst ihr, sagt er, man kennt seine Stadt, man liebt und ärgert sich über sie, aber man ist hier Zuhause und das ist echt viel wert. Dennoch möchte Sebastian die Stadt nach seinem Studium zunächst verlassen. Gerade als junger Mensch fehlt mir irgendwie der „Wow-Effekt“, das Entdecken von Neuem, sich von Nicht-Alltäglichem einfach mal überraschen lassen, einfach auch mal andere Städte kennenlernen, erklärt der große junge Mann.

Das klingt, als ob du dich in dieser Stadt nicht so wohlfühlst, fragen wir nach und schauen Sebastian dabei genau an. Wir kennen uns gut und daher sind sicher, dass Sebastian unsere Frage ehrlich beantworten wird. Er neigt den Kopf leicht zur Seite, hängt einen Moment seinen Gedanken nach. Dann antwortet er: Doch, Koblenz ist mein Zuhause. Wenn ich wegziehe, werde ich meine Familie, meine Freunde und auch vieles in dieser Stadt vermissen. Aber ich habe ja auch nicht gesagt, dass ich nicht wieder nach Koblenz zurück kommen würde. 

Und was würdest du vermissen?
Meinen Lieblingsplatz. Kennt ihr die Festungsanlagen, den niederen Schlosshof? Den Platz, von dem man eine herrliche Aussicht auf die Stadt hat? Wir nicken. Dann weißt du ja auch, dass man dort morgens um 8 Uhr die Aussicht ganz für sich allein genießen kann. Es ist still, man kann seinen Gedanken nachhängen, das „Aufstehen“ der Stadt erleben. Der wunderbare Blick, die Ruhe, der aufgehende Morgen… Dann schweigt Sebastian. Es scheint, als ob er gerade mit seinen Gedanken an seinem Lieblingsplatz weilt.

Wenn ein Fremder in deine Stadt käme, nehmen wir wenig später den Dialog wieder auf, was würdest du ihm zeigen und sagen? Sebastian scheint von dieser Frage nicht überrascht. Er streicht sich kurz durch seine blonden Haare. Ein Bummel durch die Rheinanlagen, vorbei am Kaiserin-Augusta-Denkmal, am Weindorf, an den Ufertreppen zum Rhein, hin zum Deutschen Eck, das wäre so ein erster Eindruck. Der Blick von dort auf die Festung Ehrenbreitstein würde den Fremden sicher faszinieren. Und dann trinken wir einen Kaffee in der Altstadt. Er soll sie erleben, die Stadt und ihre Menschen.

Jeder ist hier bei uns willkommen und kann gerne bleiben.

Magst du die Koblenzer?
Ach doch, schon. Wir sind freundliche, liebenswerte Zeitgenossen. Sebastian hat „wir“ gesagt und uns zugezwinkert. Die Menschen in der Innenstadt sind weniger mit Vorurteilen behaftet als in den einzelnen Stadtteilen. Woran das liegt, kann Sebastian nicht erklären. Er empfindet es einfach so. Vielleicht hat das etwas mit Erlebtem zu tun. Aber er ist sicher, dass gerade die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Koblenzer, die Stadt interessant machen. Jeder ist hier bei uns willkommen und kann gerne bleiben, sagt er mit fester Stimme.

Wenn wir jetzt fragen, Koblenz in fünf Begriffen oder Sätzen, was würdest du uns spontan antworten? Ich würde sagen, in Koblenz hast du „Alt und Neu“, viel Verkehr, Stadt und Dorf, viele Facetten und vor allem uns liebenswerte Menschen. Und jetzt lacht er herzhaft, der blonde Koblenzer aus Potsdam.

Sein Wunsch wäre, die BUGA 2031 in Koblenz. Wieder ein kleines Sommermärchen, eine Stadt, die sich bunt zeigt und ist…und dann werde ich sicher hier sein, entweder als Besucher oder Einwohner. An seinem Blick sehen wir, Sebastian meint das ganz ernst.

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Sebastian V., Jg. 1990, geboren in Potsdam, lebt und studiert in Koblenz
Lieblingsplatz: Niederer Schlosshof, Festung Ehrenbreitstein

 

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