Wenn ein waschechter Schängel nicht nur die Liebe seines Lebens gefunden hat, sondern auch eine Frau, die seine grenzenlose Begeisterung für Koblenz teilt, dann kann ein Treffen mit Miriam und Dennis unmöglich gewöhnlich werden. Dieser Gedanke begleitet mich, als ich mich auf den Weg zu unserem Treffpunkt am Kaiserin-Augusta-Denkmal mache.
Und tatsächlich: Die beiden kommen mir entspannt. lachend und gut gelaunt entgegen – ganz so, als hätten sie alle Zeit der Welt. Nach der herzlichen Begrüßung brennt mir sofort eine Frage unter den Nägeln: Warum ausgerechnet dieser Ort?

„Eigentlich kenne ich dieses Denkmal schon immer“, sagt Dennis nach kurzem Überlegen, „zumindest fühlt es sich so an.“
So richtig bewusst wahrgenommen habe er es aber erst während seiner Zeit als Lokalredakteur bei der Rhein-Zeitung. Oft sei er hier vorbeigeradelt – auf dem Weg zum Stadion Oberwerth, wenn er über Fußballspiele berichtete.
„Und seit ich Miriam kenne, sind wir hier regelmäßig spazieren gegangen, haben uns im Sommer an den Rhein gesetzt.“
„Und Pokémon Go gespielt“, wirft Miriam lachend ein.

Das Kaiserin-Augusta-Denkmal wurde am 18. Oktober 1896 errichtet – sechs Jahre nach dem Tod von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Gattin Kaiser Wilhelms I. Entworfen vom Architekten Bruno Schmitz, steht es im südlichen Teil der Rheinanlagen, die Augusta selbst als Landschaftspark anlegen ließ. Ganz in der Nähe ließ die preußische Königin einst sogar einen Spielplatz für ihre Tochter Luise errichten.
Unweit des imposanten Denkmals liegt der Prinzessin-Luise-Tempel, auch Salvettempel genannt – ein eher unscheinbarer, achteckiger Pavillon, den viele gar nicht wahrnehmen.
„Vielleicht mag ich diesen Platz sogar ein bisschen lieber als das Denkmal“, überlegt Miriam laut. „Auch wenn der Tempel wirklich mal eine Renovierung nötig hätte.“
Dass viele Menschen achtlos an dem Pavillon vorbeigehen, kann sie nicht ganz verstehen: „Alle reden immer nur vom Augusta-Denkmal.“
Miriam und Dennis haben diesen Ort jedenfalls längst für sich entdeckt. Sie nennen ihn ihren romantischen Platz. Wie oft sie hier waren – zum Lesen, Picknicken, zum Beobachten der vorbeiziehenden Schiffe auf dem Rhein …
„Und zum Pokémon-Go-Spielen“, ergänzt Dennis nun grinsend. Miriam nickt. Gerade im Sommer seien die Rheinwiesen gut besucht, doch im Pavillon seien sie fast immer ganz für sich gewesen.
In diesem Sommer wollen sie wieder häufiger hierher zurückkehren.
„Seit wir nicht mehr in der Innenstadt wohnen, haben wir den Platz ein bisschen aus den Augen verloren“, sagt Dennis. Aber ich spüre aus ihren Erzählungen: Vergessen war er nie.

Ruhe finden – und trotzdem mittendrin
Miriam ist längst nicht mehr nur bei Dennis angekommen – sie ist inzwischen auch in Koblenz zu Hause. Die beiden leben heute im Stadtteil Bubenheim im Norden der Stadt, eingebettet zwischen Kesselheim und Rübenach.
„Wer die Natur liebt und Ruhe sucht, ist hier genau richtig“, sind sich die beiden einig. Bubenheim hat einen fast dörflichen Charakter – genau das schätzen sie sehr. Wenn es sie in die Innenstadt zieht, nutzen sie gern den öffentlichen Nahverkehr – nicht zuletzt, weil das Parken in Koblenz durchaus teuer sein kann.
„Die Busanbindung in die Innenstadt ist gut“, sagt Dennis. In andere Stadtteile dauere es mit dem Bus zwar manchmal etwas länger, räumt er ein, doch insgesamt habe sich der ÖPNV in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Eine Einschätzung von Dennis, der schon immer viel mit dem Bus unterwegs war.
Bubenheim – Wer die Natur liebt und Ruhe sucht, ist hier genau richtig.
Doch was bedeutet es für die beiden eigentlich, wirklich zu Hause zu sein?
„Eine gemütliche Wohnung, viele soziale Kontakte und liebenswerte Menschen um uns herum“, beschreibt Miriam. „Und genau das haben wir jetzt.“
Für die nächste Zeit möchte sie in Koblenz bleiben, kann sich aber langfristig – mit Familie – auch ein Leben auf dem Land gut vorstellen.
Dennis hingegen sieht seine Zukunft weiterhin in Koblenz, auch mit Familie:
„Es ist die Stadt, in der ich groß geworden bin. Hier habe ich so viele Erinnerungen, die mich begleiten.“ Außerdem gebe es auch in Koblenz Stadtteile, die ein Stück Landleben bieten.
„Miriam und ich finden da unseren richtigen Kompromiss.“

Warum Koblenz mehr ist als Rhein und Mosel
Und was gefällt euch in Koblenz ganz besonders – abgesehen von Rhein und Mosel?
Jetzt legen die beiden so richtig los: kleine, verwinkelte Gassen, das besondere Flair der Altstadt, das Deutsche Eck, das Moselufer, der Paradiesgarten an der Basilika St. Kastor, die Stadtbibliothek …
Die Stadtbibliothek? Stopp. Das lässt mich aufhorchen – auch für mich ist dieser Ort ein Lieblingsplatz. Ich unterbreche die beiden und frage nach.
„Dort haben Dennis und ich unglaublich viel Zeit verbracht“, erzählt Miriam. „Wir lesen beide sehr gerne. Außerdem gibt es Leseplätze und Leseräume, in die man sich zurückziehen kann – auch um in Ruhe zu arbeiten. Internet und WLAN gehören natürlich auch dazu. Ich habe dort zum Beispiel meine Bachelorarbeit geschrieben und“, sie schmunzelt Dennis zu, „wir haben dort sogar unsere Hochzeitsvorbereitungen geplant.“
Die Stadtbibliothek Koblenz befindet sich im Forum Confluentes am Zentralplatz. Sie ist die öffentliche Bibliothek der Stadt und vereint Zentralbibliothek, Kinder- und Jugendbücherei sowie die Musikbibliothek und Mediothek unter einem Dach.
„Ein richtig guter Ort für Leseratten und Bücherwürmer“, so Miriam. „Die Beschriftung an den Regalen könnte noch ein bisschen übersichtlicher sein, damit man sein Genre schneller findet – aber das ist nun wirklich Jammern auf ganz hohem Niveau.“
Mit dem kulturellen Angebot in Koblenz sind Miriam und Dennis sehr zufrieden: Koblenzer Uferkino, Museumsnacht, Nacht der Technik, Sporterlebnistag, die musikalische Veranstaltungsreihe „Kulturstufen“. Die Liste der beiden ist lang. Und oft fällt ihnen schwer sich zu entscheiden, was sie unternehmen möchten.
Dass dieses vielfältige Kulturangebot bis heute nachwirkt, schreibt Dennis zu einem großen Teil der Bundesgartenschau 2011 zu, die er damals noch als Schüler bewusst erlebt hat.
„Ich war anfangs ehrlich gesagt ziemlich skeptisch“, erinnert er sich. Heute ist er froh, dass sie stattgefunden hat. Die BUGA habe die Stadt nachhaltig verändert – optisch wie kulturell. Viele Impulse seien geblieben und prägen Koblenz bis heute.
Mit Vorfreude blickt Dennis deshalb schon auf die BUGA 2029. Dass er dann wieder dabei sein wird, steht außer Frage – diesmal gemeinsam mit Miriam.

Natürlich gibt es immer Dinge, die man noch verbessern kann.
Miriam wünscht sich mehr Grün auf dem Zentralplatz, parkähnlich mit Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen.
Dennis denkt an die Menschen am Rand der Gesellschaft. Mehr Unterstützung für Obdachlose und vor allem mehr Hin- statt Wegschauen.
Mehr Miteinander – ein Wunsch, den beide teilen.
„Die Menschen in Koblenz sind sehr offen, freundlich und zuverlässig“, erzählt mir Miriam, die seit gut sechs Jahren hier lebt.
„Locker, herzlich und aufgeschlossen“, ergänzt Dennis.
Dann schmunzelt er: „Es sei denn, es geht um größere Veränderungen. Dann brauchen wir ein bisschen länger, um uns damit anzufreunden – und regen uns zwischendurch auch gerne mal so richtig auf.“
Koblenz an einem Tag, das schafft man nicht!
Ein Tag? Reicht einfach nicht!
Jederzeit würden Miriam und Dennis Gästen ihre Stadt zeigen – nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten. Doch meine Frage, was sie einem Gast zeigen würden, der Koblenz nur einen einzigen Tag besucht, bringt beide ins Grübeln.
„Mir schwirrt gerade unglaublich viel durch den Kopf“, sagt Miriam lachend. „Das schafft man niemals an einem Tag.“
Am Ende entscheiden sie sich für eine Mischung aus Sightseeing und Genuss. Der perfekte Koblenz-Tag beginnt für sie mit einem Frühstück im Café Bistrorante „Pfefferminzje“ in der Mehlgasse – einer der schönsten Gassen der historischen Altstadt. Danach geht es mit der Seilbahn hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Nach dem Blick vom Plateau des Oberen Schlosshofs über die Stadt und die Flüsse führt der Weg direkt wieder hinunter.
„Die Festung kann sich unser Gast dann beim zweiten Besuch in Ruhe anschauen“, erklärt Miriam. Denn auf dem Tagesprogramm steht unbedingt noch eine Burgen- und Schlössertour mit dem Schiff auf dem Rhein.
Es folg eine entspannte Stadtrundfahrt mit dem Altstadtexpress – ideal, um die Sehenswürdigkeiten aus einer neuen Perspektive kennenzulernen Zur Stärkung empfehlen die beiden das Café „Omas Kuchen“ mit seiner großen Cupcake-Auswahl. Und abends? Entweder ins „nana -breakfast meze bar“ am Plan oder ins „Dubrovnik“ in der Innenstadt – klassische Balkanküche inklusive.
„Ach, und wir müssen unbedingt noch Schokolade bei Cahua in der Altstadt kaufen und dort eine heiße Schokolade trinken“, wirft Miriam ein.
Als sie ihren Gast schließlich verabschieden, sind sich beide sicher: Er wird wiederkommen. Denn Miriam und Dennis haben ihm nicht nur die schönsten Ecken von Koblenz gezeigt, sondern auch, wie viel Herz in ‚ihrem Koblenz‘ steckt.
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Dennis, Jg. 1991, waschechter Schängel mit einer großen Leidenschaft fürs Schreiben
Miriam, Jg. 1998, Elektro-Ingenieurin, zugezogen und direkt verliebt in Stadt und ‚ihren‘ waschechten Schängel 😉