Barbara und Michael: Manches dauert halt länger

Der Markt im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein, September 2017

An einem Mittwoch treffe ich Barbara Senger und ihren Mann Michael Blasshofer im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein. Ich habe Barbara über ein soziales Netzwerk kennengelernt und sie hat auf meine Anfrage zu diesem Projekt rasch zugestimmt. Etwas aufgeregt, aber gut vorbereitet bin ich gespannt, was die zwei gebürtigen Nicht-Koblenzer erzählen werden.

Im Gespräch, September 2017

Auf dem Markt im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein plaudern wir entspannt über diese Stadt, in der das Ehepaar aus Essen seit 2006 lebt. Neugierig frage ich, was das Ehepaar hierhin verschlagen hat.

Mit dem Rentenbeginn meines Mannes, so erzählt Barbara, wollten wir in einer Stadt mit Fluss und mit guten Freizeitmöglichkeiten, vor allem auch mit bezahlbarem Wohnraum im Grünen leben. Jahre zuvor war Michael in Bad Ems zur Kur und hat von dort aus Koblenz erkundet. Er war begeistert von der Landschaft, der Altstadt, den touristischen Angeboten…

Um es kurz zu machen, so jetzt Michael, wir haben danach die Stadt über viele Wochenendausflüge erkundet und unseren Urlaub sehr oft in Koblenz verbracht. Wir haben eine Wohnung gekauft, diese aber zunächst vermietet. Nun leben wir inzwischen zehn Jahre hier am Rhein und wir werden sicher bleiben. 

Auf die Frage nach dem „Warum“ erklären beide sehr überzeugend, wie viel Charme Koblenz hat, wie zentral alles in der Stadt gelegen ist, gut erreichbar, auch zu Fuß oder per Rad, wie leicht sich hier die Freizeit gestalten lässt und wie vielfältig die gebotenen kulturellen Möglichkeiten, auch im Koblenzer Umland sind. Michael ist oft mit dem Rad unterwegs, nicht nur entlang der beiden Flüsse, auch quer durch die Stadt, entdeckt immer noch Neues. Die Koblenzer Altstadt ist ein Traum, schwärmt nun auch Barbara, es ist einfach kuschelig hier. Und als „rasende Reporterin“ lerne ich die Stadt ja besonders intensiv kennen. 

…da kann man das Deutsche Eck noch soviel putzen.

Aber ihr Lieblingsplatz ist inzwischen der „Statt Strand Koblenz“ am Moselufer. Feiner Quarzsand, zahlreiche Pflanzen, darunter viele Palmen, Liegestühle, Loungesofas, Strohschirme, ein Pagodienzelt sowie die gute Gastronomie laden zum Verweilen ein. Aber am Schönsten, so Barbara, ist der faszinierende Blick auf den Moselstausee. Ein Tag am Strand, einfach nur aufs Wasser schauen, den Alltag ausblenden, gut essen, einen Cocktail trinken. Ja, das ist einer der schönsten Plätze in Koblenz, da kann man das Deutsche Eck noch soviel putzen, resümiert Barbara. Und ihr Mann ergänzt, schon der Weg dahin mit dem Rad von Zuhause, zuerst entlang des Rheins, dann an der Mosel, ist wie die Fahrt in einen kleinen Urlaub. 

Dass der Besuch ihres Lieblingsplatzes doch eher wetterabhängig ist, stört das Ehepaar nicht. Auch sind sie lieber unter der Woche am Moselstausee, denn dann ist es dort ruhiger. Und diese Ruhe genießen sie. Schade ist nur, so Beide, dass der „Koblenzer Statt Strand“ in den Wintermonaten geschlossen bleibt, denn die Mosel hat auch im Winter ihren Reiz und mit der richtigen Ausstattung und den entsprechenden Winterangeboten wäre dieser Ort sicher auch in der kalten Jahreszeit attraktiv. 

Das Ehepaar ist noch am Schwärmen als Barbara plötzlich meint, dass es doch nicht so einfach ist, nur einen Lieblingsplatz zu benennen.  Für sie hat die Stadt eben viele schöne Plätze, an denen sie sich wohlfühlt. Nimm den Wochenmarkt in Ehrenbreitstein, sagt sie, klein aber fein, mit vielen regionalen Angeboten wie Käse und Wurst aus regionaler Herstellung, Honig, Senf und Kräuter, das gute Brot vom Bäcker, aber auch Beet- und Balkonpflanzen oder kreative Handarbeiten.  Man bummelt, trifft Bekannte, genießt kleine Leckereien und taucht in das bunte Treiben ein. Fast wie ein Urlaubstag in Frankreich.

Einkaufen auf dem Markt im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein, September 2017

Aber es gibt auch andere, weniger schöne Plätze, wie der Vorplatz am Koblenzer Hauptbahnhof, der die Gäste, nach Meinung des Ehepaars, nicht gerade Willkommen heißt und zum Verweilen einlädt: wenig Flair, viel Beton. Dabei könnte man diesen so einladend gestalten. Ein Markt oder eine Markthalle, sprudelt es aus Barbara heraus. Cafés, grüne Oasen, ergänzt ihr Ehemann.  Hier dauert eben halt alles etwas länger, man könnte noch soviel machen. Dieser Satz von Barbara klingt gar nicht entmutigend, eher habe ich das Gefühl, sie wird gleich die Ärmel hochkrempeln und loslegen. 

Michael, September 2017

Natürlich frage ich nach, warum in dieser Stadt alles eben länger dauert. Ihrer Meinung nach, liegt das wohl an der Mentalität der Koblenzer. Veränderungen gegenüber sind sie erst einmal skeptisch, zögerlich, vertrauen Neuem nur sehr langsam. Auch als Zugezogener spürt man das. Michael erzählt von seinen Erfahrungen als „Neu-Kowelenzer“. Es ist nicht einfach Freundschaften aufzubauen. Kontakt bekommt man am ehesten über Kurse an der Volkshochschule, über sportliche Aktivitäten oder über das Engagement in Vereinen, und oft erst einmal zu in Koblenz lebenden „Nicht-Kowelenzern“. Inzwischen hat Michael einige gute Bekannte in einem Koblenzer Verein. Auch das dauert halt hier etwas länger, meinen Beide.

Was würdet ihr einem Touristen zeigen, der zum ersten Mal in dieser Stadt weilt?
Das Deutsche Eck, ist sich Barbara sicher, jeder sollte den Zusammenfluss von Rhein und Mosel gesehen haben, wenn er in unserer Stadt ist.
Michael hingegen würde eher eine Kugel Schokoladeneis und einen Espresso in einem der vielen Cafés in der Altstadt genießen, dann mit dem Schiff auf Rhein oder Mosel entlang schippern und dabei dem Fremden von Koblenz erzählen. Mit Freunden würden beide allerdings zunächst daheim auf der Terrasse bei einem Glas Wein den Blick über Koblenz genießen, dann losziehen.

Am Ende unseres Gesprächs erhalten Barbara Senger und Michael Blasshofer noch eine Aufgabe: Wie ist Koblenz für Euch, kurz und knapp?

Michael: Koblenz ist eine einkaufsfreudige Stadt.
Barbara: Koblenz ist eine liebenswerte Stadt an zwei Flüssen.

Michael: Koblenz hat Charme.
Barbara: Koblenz bedeutet ankommen, erkunden, bleiben.

Michael: Koblenz hat bekannte Denkmäler und viele bedeutende Kirchen.
Barbara: Koblenz hat viele Gesichter.

Michael: Koblenz ist eine Weinstadt.
Barbara: Koblenz hat ein großes und abwechslungsreiches Kulturangebot.

Michael: Koblenz bietet tolle Stadtführungen.
Barbara: Koblenz ist Ausgangspunkt für viele Ausflüge in die Region.

Koblenz ist für Beide, angekommen sein und wohlfühlen.

Barbara und Michael, September 2017

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Barbara Senger, Jg. 1958, Journalistin | Michael Blasshofer, Jg. 1942, Privatier
Lieblingsplätze: „Statt Strand Koblenz“, Moselufer | Wochenmarkt im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein

 

 

 

5 Kommentare

  1. Auch ich bin vollkommen ihrer Meinung . Meine Frau und ich geniesen Woche für Woche (bei mehr als 15Grad) die Stadt mit Rhein und Mosel natürlich mit dem Fahrrad. Wobei das mit dem Rad oft schwierig wird denn die Radfahrer haben es in Koblenz nicht so leicht. Aber egal wir kommen weiterhin und freuen uns auf die Rheinanlagen, die Festung die Altstadt…………………………….

  2. Die Kowwelenzer merken selbst manchmal nicht mehr, WIE schön die Stadt ist. Ich lebe seit 38 Jahren hier ( bin also auch ein Zugezogener), und ich möchte nirgendwo sonst leben.

    1. Guten Morgen, Herr Singer, vielen Dank für Ihre Nachricht. Vielleicht mögen Sie uns auch erzählen, warum Ihnen Koblenz so gut gefällt. Wir würden uns sehr darüber freuen.

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