Henry: Eine Bauchentscheidung für Koblenz


Henry, Frühjahr 2017; Foto: Henry Tornow

Dass Koblenz für ihn eine besondere Stadt ist und er begeistert anderen diese vorstellt, wissen wir bereits durch seine vielen Koblenz-Fotos. Umso gespannter sind wir, Henry nun persönlich kennen zulernen und ihn über seine Stadt zu befragen. Wir treffen den sympatischen jungen Mann auf dem Gelände vor der Festung Ehrenbreitstein. Er begrüßt uns fröhlich und erklärt uns sofort, dass sein Lieblingsplatz nur durch einen guten Fußmarsch zu erreichen wäre. Und so ziehen wir gemeinsam los. Auf dem Weg dorthin tauschen sich die beiden Männer angeregt über Kameras, Objektive, Brennweiten, Fototaschen und Zubehör aus. Die letzten Meter führen uns dann steil bergab durch ein kleines Wäldchen. Nun werden wir langsam neugierig. Endlich angekommen, verschlägt es uns die Sprache. Das hatten wir nicht erwartet. Wir halten inne und genießen fasziniert den Blick von diesem Felsvorsprung auf die Stadt, auf das Deutsche Eck und die beiden Flüsse, in denen sich heute am Abend die Wolken spiegeln. Es ist wunderschön. Henry muss uns gar nicht erklären, was ihm an diesem Platz unterhalb der Festung Ehrenbreitstein in Richtung Urbar so fasziniert.

eher ein wenig planlos auf den Weg gemacht.

Nach einer Weile möchten wir dann wissen, wie er diesen wunderbaren Aussichtspunkt gefunden hat.
Eigentlich, so beginnt Henry, habe ich einen Platz gesucht, von dem man eine wunderbare Aussicht auf diese Stadt hat. Irgendwann habe ich von der Straße aus dann den Felsvorsprung gesehen und mir gedacht, da muss ich doch hinkommen und habe mich, eher ein wenig planlos, auf den Weg gemacht. Ja, so war das und seitdem komme ich gern an diesen besonderen Ort, vor allem am Abend. Hier genieße ich nicht nur den Blick sondern auch die besondere Ruhe, kann wunderbar entspannen, meinen Gedanken nachgehen. 


Blick von Henrys Lieblingsplatz auf die Stadt; Foto: Henry Tornow

Henry lebt seit einigen Jahren in Koblenz. Nach dem Abitur hat er an der hiesigen Hochschule die Zusage für sein Studium bekommen und ist, ohne sich vorher besonders für diese Stadt interessiert zu haben, aus Jena hierher gekommen. Das war eine reine Bauchentscheidung, erklärt er uns. Eigentlich war Stuttgart die erste Wahl für meinen Studienort, vielleicht noch Hamburg oder Ludwigshafen, aber dann habe ich mir gedacht, wenn Koblenz nicht zu mir passt, dann kann ich ja auch wieder gehen.

Wichtig ist doch, dass man sich versteht.

Und wirst du?, fragen wir direkt. Der junge Mann schüttelt energisch den Kopf. Er möchte in Koblenz leben, sich hier eine Existenz aufbauen, wegen der Stadt, aber vor allem auch wegen ihrer Menschen. Nach den Koblenzern gefragt, erklärt uns Henry, dass es sie nicht gibt, „die Koblenzer“. Ihn interessiert auch nicht so besonders, woher die Menschen kommen, ob sie hier geboren oder „nur“ zugezogen sind. Wichtig ist doch, so Henry, dass man sich versteht. Ich freue mich immer wieder, wenn die Menschen mir von Koblenz erzählen. Ich kann noch so viel von ihnen erfahren. Und glaubt mir, bisher hat mich keiner spüren lassen, dass ich nur zugezogen bin. Er lächelt vor sich hin.

Kurze Zeit später nimmt der eher still wirkende junge Mann unser Gespräch wieder auf. Mittelrhein- und Moseltal, das sind richtige Highlights für mich. Außerdem ist man schnell in anderen Städten oder auch Staaten. BENELUX, sage ich da nur. Aber auch mitten in der Stadt, unsere Altstadt mit ihrem besonderen Flair, das Deutsche Eck, dann die Festung Ehrenbreitstein, einfach fantastische Sehenswürdigkeiten, oder als Fotograf würde ich sagen, unglaublich schöne Motive. Erst letzte Woche habe ich die Neundorfer Flesche im Koblenzer Stadtteil Lützel besichtigt. Die Besichtigung der unterirdischen Festungsreste war für mich wieder sehr informativ und hat mir auch noch einmal gezeigt, welch interessante Geschichte meine neue Heimatstadt hat.

Henry hat mit soviel Begeisterung erzählt, dass wir nicht erstaunt sind, als er uns spontan keinen direkten Wunsch an die Stadt nennen kann. Es gibt so wenig, was ihm nicht gefällt und wenn, stört ihn das nicht wirklich. Und auch die für ihn eher architektonischen „Fehltritte“, wie das ehemalige Gewa-Kaufhaus am Zentralplatz, sind zwar unschön, aber gehören zur Stadt. Im Gegenteil, er freut sich, dass sich die Stadt so gut entwickelt, auch baulich. Mit einem Fremden würde er ganz sicher zur Festung Ehrenbreitstein fahren, aber mit der Seilbahn, und dann von dort oben den herrlichen Ausblick genießen. Und sagen würde er ihm: Koblenz ist einzigartig!

So wie der Abend an diesem fantastischen Aussichtspunkt neigt sich auch unser Gespräch mit Henry dem Ende zu. Abschließend fragen wir ihn, ob er uns Koblenz mit fünf Begriffen oder Sätzen beschreiben kann. Selbstverständlich, wenn ich einen Moment überlegen darf, scherzt er. Koblenz ist für mich historisch, sehr Grün, sowohl die Stadt wie die Umgebung, touristisch, abwechslungsreich und familiär, eben nicht so anonym wie eine Großstadt. 

Wir schauen gemeinsam noch einmal in Richtung Deutsches Eck, bevor wir den Heimweg antreten. Sicher, wir werden wiederkommen.


Abendstimmung, Blick auf Koblenz; Foto: Henry Tornow

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Henry Tornow, Jg. 1993, Fotograf (Facebook: Schönes Koblenz)
Lieblingsplatz: Felsvorsprung unterhalb der Festung Ehrenbreitstein

 

 

 

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