Lieblingsplatz-Spaziergang durch Koblenz

Ein schöner sonniger Herbsttag. Die noch wohligen Temperaturen locken viele Menschen nach draußen. Auch ich bin an diesem Nachmittag unterwegs. Mich zieht es mal wieder zu meinem Lieblingsplatz, dem Deutschen Eck, der Landzunge in Koblenz, am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Entspannt schaue ich auf die beiden Flüsse, die zur Zeit so wenig Wasser führen. Hin und wieder dringen einzelne Worte an mein Ohr, bayerisch, sächsisch, französisch, englisch… Gäste unserer Stadt unterhalten sich über Koblenz, über die Festung Ehrenbreitstein, über eine Fahrt mit der Seilbahn, über einen Spaziergang entlang des Rheins und natürlich über meinen Lieblingsplatz. Touristische Orte halt, denke ich. Plötzlich kommt mir da so ein Gedanke: Welche Plätze würde ich einem Gast in unserer Stadt wohl zeigen?

Mein persönlicher Lieblingsplatz, das Deutsche Eck in Koblenz.

Die Lieblingsplätze der Koblenzerinnen und Koblenzer natürlich! Ich habe in den letzten achtzehn Monaten so viele sympathische Menschen mit ihren Lieblingsplätzen kennenlernen können. Sie haben mir ihren Platz vorgestellt und dabei erzählt, warum sie sich in Koblenz Zuhause fühlen. Ihr Blick auf ihre Stadt war immer etwas Besonderes Und während ich noch an die vielen schönen Begegnungen denke, verfestigt sich der Gedanke, einen Lieblingsplatzspaziergang zu unternehmen.

Vom Deutschen Eck aus gehe ich am Ufer der Mosel entlang. Hier habe ich an einem warmen Sommerabend Juliane getroffen. Für sie war es gar nicht so einfach, nur einen Lieblingsplatz zu benennen. Letztendlich hat sie sich dann doch für das Moselufer entschieden. Ich genieße die für mich besondere Atmosphäre, erzählte mir die junge Koblenzerin, mag den Blick über die Mosel und vor allem, dass hier immer etwas los ist.

Die Entscheidung für ihren Lieblingsplatz ist Juliane nicht leichtgefallen: das Moselufer.

In Höhe eines Restaurants biege ich in die Koblenzer Altstadt ein. Auch hier herrscht buntes Treiben, zum Beispiel rund um den Lieblingsplatz von Beatrix und Bernd, dem Jesuitenplatz. An diesem Platz, umgeben vom Rathaus und Citykirche sowie schön hergerichteten Bürgerhäusern, kann man in den vielen Cafès und Restaurants, meist mit Außenbestuhlung, wunderbar entspannen. Wie im Urlaub, so hat es mir Beatrix beschrieben. Während ich noch überlege, wie ich meinen Weg fortsetze, fällt mir die Begegnung mit Anne ein. Das war eine sehr berührende Koblenz-Geschichte. Anne hat in einem der Cafés hier an diesem Platz die Liebe gefunden.

Vom Jesuitenplatz aus laufe ich durch die kleinen romantisch verwinkelten Gassen vorbei an der Liebfrauenkirche zum Münzplatz. Es ist der Lieblingsplatz von Chris. Einst haben dort die Römer ihr „Castellum apud confluentes“ (Kastell bei en Zusammenfließenden) gegründet, dem Koblenz seinen Namen verdankt. Am Münzplatz kann man, so Chris, tagsüber Kaffee und am Abend Rotwein trinken. Es gibt viele Lokale. Egal zu welcher Tageszeit, es ist immer belebt.

Mit seinem Lieblingsplatz hat Sebastian mich besonders überrascht: Der Saarplatz in Koblenz

Vom Münzplatz aus geht es weiter zu einem ganz ungewöhnlichen Lieblingsplatz. Seit ich dort Sebastian getroffen habe, sehe ich diesen Platz in Koblenz mit anderen Augen. Für den in München geborenen Koblenzer ist nämlich der Saarplatz einer der interessantesten Plätze in unserer Stadt. Ich war ziemlich perplex, als mir Sebastian diesen Platz nannte und so richtig erstaunt, als er mir bei unserem Treffen begeistert erklärte: Das genialste ist die Architektur. Der dreistöckige Saarplatz ist eine der größten Kreuzungen in der Stadt, zudem ein Kreisverkehr mit einer Autobrücke. Es gibt fünf Ein- wie Ausgänge aus unterschiedlichen Richtungen, aufgeteilt auf drei Ebenen, dazu Fahrrad- und Fußwege. Man geht als Fußgänger in den Kreisel, wählt einen Eingang ohne jedoch immer konkret zu wissen, welchen Ausgang man auf seinem Weg dann wieder nehmen muss, also wo man tatsächlich wieder rauskommt. Mittendrin gibt es dann noch eine Brücke, die über eine Verkehrsachse führt. Und natürlich Kunst am Bau.

Vom Saarplatz aus entscheide ich mich für den Weg Richtung Hauptbahnhof, vorbei an einem großen Einkaufszentrum, mitten durch eine Straße mit Fachgeschäften, Restaurants und Kinos. Vom Hauptbahnhof aus habe ich einen guten Blick auf den Lieblingsplatz von Harald, dem Fort Großfürst Konstantin. Von dieser Anlage, die Bestandteil der ehemaligen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein ist, hat man einen umwerfenden Blick auf und über unsere Stadt. Ich kann gut verstehen, dass es für den engagierten Koblenzer der schönste Balkon dieser Stadt ist. Er mag es besonders, so schwärmte er in unserem Gespräch, am Abend hier zu sein, oder wenn keine Veranstaltungen sind. Dann schließe ich das Tor auf, betrete den Innenhof, blicke auf die Stadt… jedes Mal ein „Aha-Effekt“.

Der Lieblingsplatz von Harald Pohl – auch ein „Aha“-Effekt für mich.

Ich lasse den Hauptbahnhof hinter mir und wandere an den Rhein. Die Kaiserin-Augusta-Anlage sowie der Weg dahin sind die Lieblingsplätze von Grit und Christian sowie von Lisa. Man ist mitten im Grünen und trotzdem noch in der Stadt, schwärmte Grit bei unserem Treffen, während Christian hinzufügte: wie im Urlaub, allein die Landschaft rund um Koblenz ist schon eine Reise wert. Aber erst die Stadt selbst mit ihrer Architektur, dem vielen Grün, den unterschiedlichen Plätzen in der Altstadt, mit den Festungsanlagen, schade für Jeden, der uns hier noch nicht besucht hat.

Lisas Lieblingsplatz: Das Kaiserin-Augusta-Denkmal.

Während ich durch die im Rahmen der Bundesgartenschau 2011 neu gestalteten Rheinanlagen flaniere, dabei den Blick über den Fluss auf das „Rheinische Nizza“ und die Festung Ehrenbreitstein genieße, fällt mir Jörn und sein Lieblingsplatz, der Biergarten in den Rheinanlangen, ein. Ich muss plötzlich schmunzeln, denn ich bin ganz sicher, dass der aus Franken stammende Koblenzer sich bereits jetzt wieder auf sein „zweites Wohnzimmer“ freut. Ausspannen vom Arbeitsalltag, das kann ich hier, erzählte er mir bei einem Weizenbier, und, dass er diesen Ort mag, weil er weniger touristisch ist.

Jörn hat mich im Sommer in sein „zweites Wohnzimmer“ eingeladen: Der Biergarten in den Koblenzer Rheinanlagen.

Am Eingang zum Koblenzer Schlossparkes bleibe ich einen Moment stehen. Hier habe ich zwei lebensfrohe Koblenzerinnen kennenlernen können, Martina und Eva. Beide haben auf ganz unterschiedliche Weise von diesem schönen Ort geschwärmt. Eva von der „Langen Tafel“, mit der sie ganz persönliche Erinnerungen verbindet und vom Spielplatz „Schmuckkästchen der Kaiserin Augusta“, auf dem sie mit ihren Kindern gerne Zeit verbringt. Martina hingegen liebt die alten Mammutbäume im hinteren Teil des Parks. Hier kann ich mich so richtig an der Natur erfreuen und Ruhe finden, erzählte sie, und im Frühjahr blühen hier die Elfenblumen. Der Schlosspark, aufwendig rekonstruiert in Anlehnung an die Entwürfe des preußischen Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné, stellt die Verbindung her zwischen Koblenzer Innenstadt, Schloss und dem Rhein.

Die Fähre Koblenz-Ehrenbreitstein

Gerne würde ich noch ein wenig verweilen, aber die die Zeit drängt. Ich möchte die letzte Rheinfähre hinüber in den Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein bekommen. Raschen Schrittes laufe ich am Rheinufer entlang. Vor wenigen Tagen erst hat mir Anna erzählt, dass sie diesen Weg fast täglich geht. Sie liebt es, auf dem Heimweg entlang des Rheins vom Arbeitsalltag ausspannen zu können.

Als ich mit der Fähre über den Rhein schippere, noch einmal den Blick zurück auf die Stadt werfe, spüre ich wieder das Gefühl von Angekommen sein – angekommen in dieser bunten Stadt an Rhein und Mosel, meinem Zuhause. Das war ein schöner Tag, denke ich gut gelaunt, auch wenn ich nicht alle bisherigen Lieblingsplätze besuchen konnte. Ich werde sehr bald einen weiteren Lieblingsplatzspaziergang unternehmen.

Barbara und Michael auf dem Wochenmarkt im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein, einer ihrer Lieblingsplätze.

In Ehrenbreitstein genieße ich einen wohlschmeckenden Latte Macchiato in einem Café am Kapuzinerplatz. Es ist schon stiller hier an diesem Abend. Aber in wenigen Tagen wird sich der Kapuzinerplatz wieder mit Leben füllen. Dann ist Markt, klein aber fein, wie mir Barbara und Michael über ihren Lieblingsplatz verraten haben, mit vielen regionalen Angeboten wie Käse und Wurst aus regionaler Herstellung, Honig, Senf und Kräuter, das gute Brot vom Bäcker, aber auch Beet- und Balkonpflanzen oder kreative Handarbeiten.  Man bummelt, trifft Bekannte, genießt kleine Leckereien und taucht in das bunte Treiben ein. Fast wie ein Urlaubstag in Frankreich.

Aber eben nur FAST, denke ich, denn  dieser Tag war wie ein Urlaubstag für mich, mitten durch unser Koblenz.

Bettina Manuela Hambuch

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Lieblingsplatzspaziergang: Deutsches Eck – Peter-Altmeier-Ufer in Richtung Balduinbrücke – Kompfortstraße – Firmungsstraße – Jesuitenplatz – Entenfuhl – Am Plan – Münzplatz – Altenhof – Weißer Gasse – Saarplatz – Löhrcenter – (Obere) Löhrstraße – Hauptbahnhof/Bahnhofsplatz – Markenbildchenweg – Kaiserin-Augusta-Anlagen / Rheinanlagen– Schlossgarten – Rheinfähre –Kapuzinerplatz

 

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Bettina, wieder wunderbar geschildert Dein Lieblingsplatz-Spaziergang durch Koblenz. Mit so interessierten Augen und liebevollen Worten unsere schöne Heimatstadt zu sehen und zu schildern, dafür bedanke ich mich ganz herzlich.

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