Lisa: Ich mag die Menschen in dieser Stadt!

Mit der Trennung der Projektmacher stellt der Fotograf Günter Weber die Fotos für das Projekt nicht mehr zur Verfügung. Dieser Beitrag ist daher ohne Fotos. Die Fotos werden nach und nach wieder ergänzt.

Entspannt sitzt die junge Frau in der Nähe des Kaiserin-Augusta-Denkmals am Rhein und schaut auf den Fluss. Sie scheint mit ihren Gedanken weit weg zu sein. Als sie uns bemerkt, lächelt sie und sagt spontan: Der Ort hier erinnert mich immer an Zuhause!

Natürlich führt dieser Satz direkt zu unserer ersten Frage. Wo bist du denn Zuhause?
Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, sagt Lisa und überlegt einen Moment. Zuhause bin ich hier, aber meine Heimat ist in Brandenburg, also konkret Potsdam. Von dort bin ich vor acht Jahren nach Koblenz gezogen, allein, aus beruflichen Gründen und … Lisa stutzt plötzlich, bevor sie weiterspricht … und wollte so schnell wie möglich wieder zurück. Und dann lacht sie und erklärt uns, dass sie erst einmal großes Heimweh hatte, ihre Familie und Freunde und ihren Musikverein schmerzlich vermisst hat; aber vor allem das Leben in den eigenen vier Wänden. Sie ist dann in Koblenz in eine WG gezogen und hat gemeinsam mit ihren Mitbewohnern die Stadt erkundet. Das war richtig spannend, sagt sie, vor allem, als ich festgestellt habe, dass mich hier so vieles an Potsdam erinnert. Die Rheinanlagen zum Beispiel, da muss ich immer an die schönen Alleen in Sanssouci oder an die Alleen außerhalb von Potsdam denken. Vielleicht ist das auch gerade deshalb hier mein Lieblingsplatz.

Und sie beginnt zu schwärmen: vom faszinierenden Blick auf den Rhein, den sie genießt, wenn sie am Abend einfach mal für sich sein möchte oder von ihren Spaziergängen am frühen Morgen, wenn nur ein paar vereinzelte Jogger in den Rheinanlangen unterwegs sind. Es ist so schön hier, die breiten Wege, die großen alten Bäume, die Häuser, richtige Villen zum Teil und natürlich der Blick auf die andere Rheinseite, „Klein-Nizza“, wie man hier wohl dazu sagt.

…nicht so hektisch, wie wir Brandenburger.

Dann erzählt sie uns, warum es ihr in Koblenz inzwischen so gut gefällt. Die Stadt hat viel Geschichte, eine schöne alte Bausubstanz, eine tolle Kneipenkultur. Außerdem sind die Wege in der Innenstadt sehr überschaubar und so alles gut erreichbar. Aber, so Lisa, am wohlsten fühle ich mich, weil ich die Menschen hier mag. Die Koblenzer sind sehr herzlich und nicht so hektisch wie wir Brandenburger. Sie leben bewusster und genießen mehr. Das gefällt mir. Zu Beginn war ich mit so viel Freundlichkeit fast ein wenig überfordert, schmunzelt sie, zum Beispiel mit dem freundlichen Grüßen untereinander. Da sind wir Brandenburger doch eher etwas forscher oder ruppiger. Dass sie von den Koblenzern vor acht Jahren so offen aufgenommen wurde, daran erinnert sich Lisa besonders gern. Und inzwischen sind viele Freundschaften entstanden. Sie möchte auch noch eine Weile in Koblenz leben. Aber irgendwann dann doch wieder in die Heimat zurückkehren, wegen ihrer Familie. Sie ist sich aber sehr sicher, die Freunde hier werden bleiben. Sie wird sie besuchen oder nach Potsdam einladen. Und, meint die junge Frau keck, dank moderner Medien ist ja Kontakt halten heute sehr einfach. Dann nutze ich eben WhatsApp…

Wir genießen für einen kurzen Moment die Abendstille am Rheinufer, bevor wir Lisa unsere nächste Fragen stellen. Was könnte in Koblenz noch besser werden, welche konkreten Wünsche hast du?

Das sind ja direkt zwei Fragen, scherzt Lisa und dann denkt sie nach. Sie ärgert sich jeden Tag über die unpünktlichen Busse, die hohen Kosten für den Nahverkehr und die fehlenden Fahrradwege in der Stadt. Die Straßen teilen sich Busse, Autos und Radfahrer, erklärt sie uns. Als Fußgänger musst du stets wachsam sein, zum Beispiel wenn ein Radfahrer einem Auto ausweichen und so plötzlich den Bürgersteig nutzen muss. Verbessert werden muss, so Lisa, aber auch die Mülltrennung. Am meisten „stinkt“ ihr, dass es keine Abfallbehälter für Plastikmüll gibt, wie für Flaschen oder Altpapier. Gelbe Säcke in der Wohnung sind echt eine stinkige Sache, sagt sie energisch. Und jetzt merkt man Lisa den Ärger so richtig an.

eine Strandbar in den Rheinanlagen…

Nach einer kurzen Pause nennt sie uns dann ihre Wünsche: einen Wochenmarkt in der Innenstadt, über den man auch am späten Vormittag oder gar erst am Nachmittag bummeln kann und zusätzliche Abfalleimer in den Rheinanlagen. Bescheiden, stimmts, neckt Lisa. Aber wenn ich einen richtig großen Wunsch nennen darf… Ich wünsche mir eine Strandbar direkt hier in den Rheinanlagen. Platz ist ja vorhanden, die großen Wiesen eignen sich dafür sicher gut. Stellt euch vor, wir würden jetzt hier mit einem Glas Wein oder einem leckeren Cocktail entspannt sitzen, plaudern und dabei auf den Rhein schauen… Und das alles fußläufig von der Innenstadt entfernt. Coole Sache, oder? Ja, auch uns gefällt diese Idee.

Würdest du mit einem Koblenz-Besucher dann den Abend auch hier in der Bar ausklingen lassen?, fragen wir weiter. Lisa nickt spontan, aber zuvor würde sie mit ihrem Gast zum Deutschen Eck bummeln und mit der Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein gondeln. Das Standardprogramm eben, meint sie. Aber in den Festungsanlagen zeige ich ihm dann einen weiteren Lieblingsplatz, den Festungsgarten. Das ist eine Art Dachgarten, der mich aber immer an einen Schrebergarten bei uns daheim in Potsdam, erinnert. Und dann erklärt uns Lisa, dass es auch ihr sehr schwer gefallen sei, uns nur einen Lieblingsplatz in Koblenz zu benennen.

Und wie würdest du deinem Gast die Stadt kurz und knapp beschreiben? Die flotte Neukoblenzerin lacht wieder, ihr habt ja Fragen, aber diese ist einfach zu beantworten. Koblenz hat eine Mischung aus Kultur, Geschichte, City, Idylle, ein wenig Provinz und viel Lebensgefühl.

Wisst ihr, sagt Lisa plötzlich, eigentlich fühle ich mich mittlerweile auch als Koblenzerin, auch wenn ich hier nicht geboren bin. Und wenn ich am Abend hier auf der Wiese am Rhein sitze und auf das Wasser schaue, dann fühle ich mich zuhause. Versteht ihr, was ich meine? Sie wirk fast ein wenig wehmütig, dennoch glücklich und zufrieden. Und wir lassen ihr diesen besonderen Moment, bevor wir unsere letzte Frage stellen.

Wie würdest du Koblenz mit fünf Begriffen oder in fünf Sätzen beschreiben? Koblenz ist herzlich, schön, lebens- und sehenswert, angenehm, antwortet Lisa direkt und fügt nach einer kurzen Pause noch hinzu: Ich dachte immer Koblenz sei Provinz, aber die Stadt ist einfach ideal zum Leben und Wohnen, es ist immer etwas los, die Menschen hier sind prima. Und jetzt schauen wir mal, was im Biergarten hier um die Ecke los ist, so lange es die Strandbar noch nicht gibt. Sie nimmt ihre Tasche, lacht uns fröhlich zu. Na dann, auf geht’s…

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Lisa H., Jg. 1987, (Neu)Koblenzerin mit „Brandenburger Herz und Schnauze“.
Lieblingsplatz: Rheinanlagen

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