Ein Lieblingsplatz mitten in der Koblenzer Altstadt. Eine Frau, die Geschichten nicht nur erzählt, sondern sie lebendig werden lässt. Dazu frisch gebackener Kuchen, eine dampfende Tasse Tee und die gemütliche Atmosphäre des Café Bistrorante Pfefferminzje. Bessere Voraussetzungen für einen besonderen Nachmittag kann es kaum geben.
Hier treffe ich Kristina – eine waschechte Schängelin mit einer ansteckenden Begeisterung für ihre Heimatstadt. Schnell wird klar: Wer sich mit ihr unterhält, sieht Koblenz schon nach wenigen Minuten mit anderen Augen. Seit 2018 führt sie als Guide Gäste durch ihre Stadt. Doch dabei bleibt es nicht. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie seit 2024 Krimi-Touren durch die Koblenzer Altstadt – und holt dabei längst vergangene Verbrechen zurück in das Gedächtnis der Stadt.
„Koblenzer Kriminalgeschichten sind meine Leidenschaft. Aus einem Hobby ist meine Berufung geworden. Ich liebe Krimis, ich liebe Koblenz – was für eine Mischung!“, erzählt sie, und ihre Augen leuchten.
Auf ihren Krimi-Touren erzählt Kristina von sorgfältig recherchierten Koblenzer Kriminalfällen.
„Das sind echte Verbrechen, die hier passiert sind. Und natürlich erzähle ich nicht einfach nur den Fall. Mich interessiert doch alles drumherum: Was ist damals passiert? Und warum? Was hat so eine Tat mit der Stadt gemacht?“
Sie lächelt verschmitzt, macht eine kurze Pause: „Und ein bisschen Gänsehaut gehört natürlich auch dazu.“
Dann schaut sie mich an: „Hast du eigentlich schon einmal eine unserer Führungen mitgemacht?“ Ich muss zu meiner Schande verneinen. Noch während ich den Kopf schüttle, wandert die Krimi-Tour gedanklich ganz nach oben auf meine persönliche To-do-Liste.

Die Geschichten hinter der Geschichte
Kristina möchte mit ihren Führungen den Menschen Koblenz näherbringen – aber bitte nicht mit trockenen Jahreszahlen und endlosen historischen Fakten.
„Mich interessieren die Geschichten hinter der Geschichte unserer Stadt. Was war hier los? Wie lebten die Menschen – und wie leben sie heute? Genau das interessiert mich.“
Und wieder dieses herzliche, ansteckende Lachen. Bereits als Kind begeisterte Kristina ihre Mitschüler mit ihren Erzählungen. Heute, sagt sie schmunzelnd, erzählt sie ihre Geschichten am liebsten „uff de Gass“.
Natürlich möchte ich wissen, ob es eine Geschichte gibt, die ihr besonders am Herzen liegt. Kristina muss nicht lange überlegen.
„Die Geschichte vom Koblenzer Schängel begeistert einfach immer. Der kleine Kerl gehört zu Koblenz wie das Deutsche Eck. Das erzähle besonders gern unseren Gästen. Aber eigentlich steckt doch ganz Koblenz voller Geschichten! Und die müssen wir erzählen und weitertragen. Nicht nur für die Touristen, die unsere Stadt besuchen, sondern gerade auch für die Menschen, die hier leben.“
Apropos Menschen, die hier leben: Wie sind sie eigentlich, die Koblenzerinnen und Koblenzer, die Menschen „am Eck“, möchte ich von ihr wissen.
Gesellig, korrekt, offen – und ausgesprochen feierfreudig, davon ist Kristina überzeugt. Wer sich bei einem Fest an einen Weinstand stellt, bleibt ihrer Erfahrung nach nicht lange allein. Sie erinnert sich auch daran, dass Koblenz einmal eine besonders hohe Kneipendichte, gemessen an der Einwohnerzahl, nachgesagt wurde.
„Die Leute denken immer, die feierfreudigste Stadt sei Köln. Denkste! Wir Koblenzer können da locker noch einen draufsetzen.“
Gutes Stichwort, widmen wir uns mal dem Genuss. Was ist kulinarisch typisch für Koblenz?
Kristina bedauert, dass die regionale Küche zunehmend aus der Altstadt verschwindet und traditionelle, alteingesessene Gastronomie immer seltener wird. Gleichzeitig schätzt sie die bunte gastronomische Vielfalt.
Wer typische Koblenzer Gerichte probieren möchte, sollte für sie an „Himmel und Äad“ und „Deppekoche“ nicht vorbeikommen. Dazu ein guter Wein aus der Region. Da sind Kristina und ich uns sofort einig.
Von der Kulinarik ist es nur ein kleiner Sprung zu meiner Frage, die mich schon eine ganze Weile beschäftigt: Was für eine Stadt ist Koblenz eigentlich?
Sie braucht keine Sekunde: „Monstermegagigageil.“
Ich schaue sie an. Kristina schaut zurück. Offenbar verrät mein Gesicht, dass diese Stadtbeschreibung noch ein klein wenig Erläuterung vertragen könnte. Und dann ist sie nicht mehr zu bremsen.
Verliebt in die Koblenzer Altstadt
Vor allem die Altstadt hat es Kristina angetan: die romantischen kleinen Gässchen, verwinkelten Ecken und versteckten Hinterhöfe, die Vier Türme und Plätze voller Charme wie der Jesuitenplatz.
„Du kannst hier um eine Ecke gehen und entdeckst plötzlich wieder etwas Neues. Genau das liebe ich an unserer Altstadt.“
Besonders Mehlgasse und Gemüsegasse seien beliebte Fotomotive, erzählt sie. Ein Profifotograf habe ihr einmal gesagt, dass gerade diese beiden Gassen zu den meistfotografierten Orten der Stadt gehören.
Doch Kristinas Blick auf die Altstadt geht tiefer als der einer begeisterten Fremdenführerin. Für sie steckt in diesen Straßen die Geschichte von Koblenz – auch ihre schmerzhaften Kapitel.
Im Zweite Weltkrieg wurden bei den Luftangriffen wurden große Teile der Koblenzer Innenstadt einschließlich der Altstadt zerstört. Viele Menschen kamen ums Leben, wurden verletzt, mussten die Stadt verlassen.
Der Krieg hinterließ gewaltige Mengen Trümmerschutt, seine Spuren blieben lange sichtbar. Kristina erinnert sich an beschädigte und nicht vollständig wiederaufgebaute Häuser in der Altstadt, an Einschusslöcher in den Wänden.
Vielleicht muss man seine Heimat auch einmal verlassen, um zu begreifen, wie sehr man mit ihr verbunden ist, überlegt sie plötzlich laut und erzählt mit einem Augenzwinkern, dass sie Koblenz einmal für anderthalb Jahre „fremdgegangen“ sei. Sie zog an den Ammersee: eine Wohnung mit kurzem Weg zum Strandbad, dazu der Blick bis zur Zugspitze.
Meine Heimat ist mir wahnsinnig wichtig. Hier gehöre ich hin.
„Das war schon genial. Wirklich wunderschön. Aber als ich nach Koblenz zurückkam, hat es noch einmal so richtig gefunkt. Da habe ich plötzlich gemerkt: Meine Heimat ist mir wahnsinnig wichtig. Hier gehöre ich hin. Und ich weiß ganz sicher: Ich bleibe in dieser Stadt.“
Sie hält kurz inne.
„Eigentlich passiert mir das ständig: Ich bin irgendwo in Koblenz unterwegs, mache irgendetwas – und verliebe mich schon wieder ein kleines Stück mehr in diese Stadt. Wo soll das denn noch hinführen?“
Kristina lacht. Herzlich, ungebremst und so, dass man unweigerlich mitlacht.
Koblenz von oben
Wer ihre Stadtliebe verstehen will, sollte Koblenz vielleicht einmal aus Kristinas Lieblingsperspektive betrachten: von oben.
„Fährst du Seilbahn?“, fragt sie mich. Ich nicke.
„Ich liebe die Seilbahn! Und glaub mir: Jeden Touristen schicke ich damit hoch auf die Festung.“
Sie lässt keinen Zweifel daran, dass Widerstand zwecklos wäre.
„Ich sage immer: Wenn ihr nicht oben auf der Festung gestanden und diesen Blick über Koblenz genossen habt, dann habt ihr die Stadt nicht wirklich gesehen.“
Von oben lässt sich besonders gut erkennen, was Koblenz seit mehr als zwei Jahrtausenden prägt: seine Lage an Rhein und Mosel. Schon die Römer wussten, wo es sich gut leben lässt.
Fast fünf Jahrhunderte gehörte Koblenz zum Römischen Reich. Die Lage am Zusammenfluss von Rhein und Mosel machte den Ort strategisch interessant. Der römische Name „Confluentes“ verweist genau darauf – auf die Zusammenfließenden.
Kristina fasst zwei Jahrtausende Stadtgeschichte auf ihre eigene Art zusammen: „Siehst du? Koblenz war eigentlich schon vor 2.000 Jahren ziemlich cool.“
Dass Kristina ihre Heimat liebt, heißt allerdings nicht, dass sie alles durch die rosarote Brille betrachtet. In Koblenz ist sie gern mit dem Fahrrad unterwegs. Die Radwege findet sie grundsätzlich in Ordnung. Beim Anspruch, eine echte Fahrradstadt zu sein, sieht sie allerdings noch ‚ziemlich viel Luft nach oben‘.
Macht doch mal eine Stadtführung in eurer eigenen Stadt.
Koblenz-Botschafterin aus Überzeugung
Je länger wir miteinander sprechen, desto deutlicher wird mir: Kristina ist eine Koblenz-Botschafterin, nicht für Gäste, sondern auch für die Menschen, die hier ‚am Eck‘ leben.
„Macht doch einfach mal eine Stadtführung in eurer eigenen Stadt“, appelliert sie.
„Wirklich! Ihr entdeckt Orte oder Ding, an denen ihr wahrscheinlich schon hundertmal vorbeigelaufen seid. Plötzlich schaut ihr hin und denkt: Das gibt’s doch nicht – das wusste ich gar nicht. Ihr lernt euer eigenes Koblenz noch einmal neu kennen.“
Eine Einladung, die bei einer Frau, die für ihre Stadt derart brennt, fast wie eine kleine Liebeserklärung klingt. Und sie bringt mich auf eine Idee.
Wenn Kristina einem Menschen Koblenz zeigen dürfte, der die Stadt überhaupt nicht kennt – was müsste dieser unbedingt sehen? Es gibt allerdings einen Haken: Sie hat dafür nur einen einzigen Tag Zeit.
Kristina schaut mich entgeistert an: „Nur einen Tag? Das geht nicht!“
Ich muss lachen. Natürlich geht das nicht. Nicht mit Kristina. Nicht in Koblenz. Doch kaum hat sie protestiert, ist sie schon Feuer und Flamme.
Ein Tag mit Kristina durch Koblenz
Nach der Gondelfahrt zurück ins Tal geht es in den Blumenhof und zur Basilika St. Kastor. Von dort durch die Kastorstraße, einst eine mondäne Adresse der Stadt. Nächster Halt: der „Deutsche Kaiser“, ein spätgotischer Wohnturm, dessen heutiger Name auf das frühere Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ zurückgeht. Dann wird gebummelt. Firmungsstraße, Görreshaus, Görresplatz …Selbstverständlich führt ihr Weg auch zum Jesuitenplatz und zum Schängelbrunnen.
Danach allerdings braucht selbst eine Koblenz-Botschafterin eine Pause. Mit ihrem Gast würde Kristina im Klostercafé der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf in der Florinspfaffengasse einkehren. Hausgemachter Kuchen, historische Umgebung und vor allem eines: Ruhe mitten in der Stadt.
„Das ist so eine besondere, kleine stille Oase.“
Doch lange lässt Kristina ihren Gast ohnehin nicht sitzen. Nach der Stärkung geht es weiter durch die Gässchen und über die Plätze der Altstadt. Und selbstverständlich dauert es nicht lange, bis die nächste Geschichte auftaucht.
„Wusstest du eigentlich, wie sehr Clemens Wenzeslaus unsere Stadt geprägt hat? Und nicht nur wegen der Trinkwasserversorgung!“, fragt sie.
Diesmal kann ich nicken.
Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen war von 1768 bis 1794 der letzte Erzbischof und Kurfürst von Trier. Während seiner Regierungszeit entwickelte sich Koblenz als Residenzstadt entscheidend weiter. In seine Zeit fallen unter anderem der Bau des Kurfürstlichen Schlosses und des klassizistischen Theaters. Auch die Wasserversorgung ließ er verbessern.
Während ich gedanklich noch bei Kurfürsten, Schloss und Brunnen bin, ist Kristina längst wieder unterwegs. Ihr letzter Stopp an diesem Tag wäre „Liesers Bistro“, ein kleines familiengeführtes Lokal in der Görresstraße. Jetzt klingt der Tag bei leckerem Essen und guten Gesprächen aus.
„Wer Koblenz einmal richtig kennengelernt hat, kommt wieder. Ein zweites, drittes, vielleicht auch viertes Mal“, freut sie sich.
Und wenn Kristina die Stadt gezeigt hat, stehen die Chancen dafür vermutlich ziemlich gut. Davon bin ich überzeugt.

Wie nimmst du das kulturelle Angebot in Koblenz wahr, möchte ich wissen.
„Ein kulturelles Paradies!“
Punkt. Mehr Worte braucht es nicht.
Besonders begeistert ist sie von den vielen unterschiedlichen Veranstaltungen auf der Festung Ehrenbreitstein. Als Beispiel nennt sie das Horizonte-Festival.
„Was da entstanden ist – auch dank Berti Hahn –, das ist wirklich unglaublich!“
Und trotzdem sieht Kristina Luft nach oben. Nicht beim Angebot selbst, sondern dabei, es sichtbar zu machen. Sie wünscht sich, dass Veranstaltungen und kulturelle Angebote im Internet gebündelter, übersichtlicher und leichter auffindbar wären.
Ideen dazu, frage ich? Natürlich hat sie welche. Viele sogar.
„Man muss mich doch einfach nur fragen!“, zwinkert sie mir schelmisch zu.
Weil Koblenz ihr eben nicht egal ist, schaut sie genau hin. Es gibt Entwicklungen, die ihr Sorgen machen. Sie spricht von einer zunehmenden „Verrohung“. Davon, dass sie vor allem abends nicht mehr so unbeschwert durch die Stadt gehe wie früher. Sie nehme mehr Aggressivität wahr, achtlos weggeworfenen Müll und eine Haltung, die sie besonders stört: „Ist mir doch egal.“
Zum ersten Mal an diesem Nachmittag wird Kristina leise.
„Dieses Egal-Gefühl macht mich traurig. Wenn jeder nur denkt: Was geht mich das an, dann funktioniert eine Stadt irgendwann nicht mehr. Koblenz gehört doch uns allen.“
Ihre Fröhlichkeit ist für einen Moment verschwunden. Dafür ist da jetzt etwas anderes: Entschlossenheit.
Was sie sich wünscht?
Mehr Power. Mehr Eigeninitiative. Weniger endlose Diskussionen darüber, warum etwas vielleicht nicht funktionieren könnte. Nicht immer zuerst auf die anderen schauen. Einfach mal anfangen. Einfach mal machen. Und vor allem: mehr Miteinander statt Gegeneinander.
Dann ist Kristina wieder voll da. Die Stimme wird energischer, die Hände gehen mit.
„Wir haben hier eine monstermegagigageile Stadt! Und wenn jeder ein bisschen Verantwortung dafür übernimmt, dass sie so lebenswert bleibt, haben wir eine riesige Chance. Wir können Koblenz gemeinsam mitgestalten. Aber dafür müssen wir uns auch etwas trauen.
Da ist es wieder: dieses „Wir“.
Nicht: Die Stadt müsste. Nicht: Irgendjemand sollte. Wir.
Ja, trauen wir uns mal.
Spontan erzähle ich Kristina von einer Idee, die schon länger als Brausepulver in meinem Kopf sprudelt: einem Starter-Paket für Neu-Koblenzer – nicht nur mit Informationen, sondern mit Begegnungen, einer Stadtführung und der Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Während ich jetzt Ideen sprudele, sehe ich: Kristina überlegt schon. Nein, überrascht bin ich nicht.
Sie erzählt mir, so seien schließlich auch ihre Koblenzer Kriminalgeschichten entstanden. Eine Idee haben. Dafür brennen. Loslegen.
Wenn ich eine Wunschfee wäre …
Bevor unser Gespräch zu Ende geht, möchte ich Kristina noch einen Wunsch entlocken.
Wenn ich eine Wunschfee wäre und ihr einen einzigen Wunsch für Koblenz erfüllen könnte – welcher wäre das?
Einen Ort, an dem Menschen ins Gespräch kommen, sich begegnen, Ideen teilen. Wo wir das Miteinander wieder lernen und voneinander lernen. Durch Vernetzung entstehen neue Ideen, daraus neue Projekte. Das wäre doch ein schöner Wunsch, den du mir als Wunschfee erfüllen könntest“, sagt sie.
Passt gut zu meiner Idee. Vielleicht erzählt dieser Wunsch mehr über Kristina als vieles andere an diesem Nachmittag. Denn bei all ihrer Liebe zu Koblenz geht es ihr am Ende vor allem um eines: die Menschen, die diese Stadt miteinander gestalten.
Kristinas Lieblingsplatz
Eine Frage fehlt mir noch. Vielleicht sogar die wichtigste, wenn man mit einer Frau spricht, die so viel in Koblenz unterwegs ist.
Kristina, wo ist eigentlich dein Lieblingsplatz?
„Ich dachte schon, du fragst gar nicht mehr!“, neckt sie mich.
Dann kommt die Antwort ohne Zögern.
„Der Brunnenhof Königspfalz. Für mich ist das der schönste Hinterhof in der Koblenzer Altstadt. Und dieser Ort erzählt so viel über Koblenz. Über mein Koblenz.“
Der Brunnenhof liegt zwischen Mehlgasse und Florinspfaffengasse, mitten im historischen Kern der Stadt. Seine heutige Gestalt ist eng mit der Altstadtsanierung der 1980er-Jahre verbunden. Und wer hier nur schnell hindurchgeht, verpasst womöglich das Spannendste. Denn im Brunnenhof lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Im Zuge der Altstadtsanierung wurden hier zwei Brunnenanlagen wiederentdeckt. Ein Brunnen ist modern gestaltet und thematisiert das Verhältnis von „Harmonie“ und „Aggression“. Der andere führt sehr viel weiter zurück in die Vergangenheit. Es ist ein klassischer Ziehbrunnen, der etwa aus dem 13. Jahrhundert stammt. Rund 14 Meter geht es hinunter – bis zum Grundwasserspiegel von Rhein und Mosel.
Bis ins 19. Jahrhundert bezogen viele Haushalte der Altstadt ihr Wasser aus solchen Brunnen. Je nachdem, wie hoch Rhein und Mosel stehen, verändert sich auch der Grundwasserstand – und das Wasser kann unten im Brunnen sichtbar werden.
Betrachten solle man auch das große Wandbild „Cobelenze Pfingsten 860“ an einer der Hausfassaden. Ebenfalls zu lesen die Namen „Karl der Kahle, Lothar II. und Ludwig der Deutsche“. Es erzählt die Geschichte des ‚Frieden von Koblenz‘, einem bedeutenden Friedensvertrag aus dem Jahr 860, mit dem kriegerische Konflikte zwischen fränkischen Teilreichen beigelegt wurden.
Während Kristina erzählt, sind ihre Hände ständig in Bewegung.
Eigentlich wäre mein Interview jetzt hier zu Ende. Unser Tee ist längst ausgetrunken, vom leckeren Kuchen ist auch nichts mehr übrig. Doch ich ahne: Da wäre noch eine Geschichte. Und noch eine. Vielleicht über einen spektakulären Koblenzer Kriminalfall. Vielleicht über einen Hinterhof, an dem ich schon hundertmal vorbeigelaufen bin, ohne wirklich hinzusehen.
Schlussfolgerung: Wir treffen uns garantiert wieder. Und wenn ich Kristina dann wieder fragen würde, wie Koblenz denn eigentlich ist, würde sie keine Sekunde überlegen: „Monstermegagigageil.“
Inzwischen weiß ich ziemlich genau, was sie damit meint.
