Anne: Koblenz, Insel des Lebensgefühls

Heute Nachmittag treffe ich Anne Weller in einem Café am Jesuitenplatz, mitten in der Koblenzer Altstadt. Die „Wochenend-Koblenz-Leberin“, wie sie sich selbst mit Augenzwinkern bezeichnet, möchte mir heute ihren ganz besonderen Lieblingsplatz vorstellen. Ich habe noch ein wenig Zeit und bummel durch die kleinen Gassen. Meine Vorfreude auf das Gespräch wächst mit jeder Minute, denn ich vermute, dass es heute einen ganz besonderen Lieblingsplatz geben wird.

Fassaden in der Koblenzer Altstadt – es gibt viel zu entdecken, Mai 2018

Anne Weller kommt mir gut gelaunt entgegen. Nach der fröhlichen Begrüßung reden wir zunächst über das Augenblickmal-Projekt und über ihre Arbeit als Stimm- und Präsentationstrainerin. Sie erzählt mir, dass sie beruflich viel unterwegs ist, aber immer wieder gerne nach Koblenz zurückkommt. Ein guter Einstieg denke ich und stelle direkt meine erste Frage.

Warum mögen Sie Koblenz?
Das hat die Liebe so mit sich gebracht, strahlt sie, allerdings habe ich auch viele geschäftliche Kontakte hierher und natürlich meinen Freundeskreis in Koblenz und Umgebung. Ich bin immer sehr gerne in dieser Stadt, wenn auch eher am Wochenende.  

Anne Weller, die im Wiedtal zuhause ist, begeistert vor allem die Größe und die Verkehrsanbindung ihrer Wahlstadt. Koblenz ist nicht zu groß und nicht zu klein, sagt sie, und liegt fast in der Mitte von Deutschland. Mit der Bahn oder mit dem Auto ist die Stadt gut zu erreichen. Da ich viel reise, habe ich den Vergleich und Koblenz schneidet wirklich gut ab.

Was gefällt Ihnen besonders gut an Koblenz?
Anne Weller überlegt einen kurzen Moment. Ich fühle mich in Koblenz zuhause, natürlich vor allem durch meinen Mann und mein Freunde, aber so nah am Wasser zu leben, ist schon etwas Besonderes. Außerdem gibt es so viele schöne und interessante Plätze in der Stadt. Das Deutsche Eck zum Beispiel, allein der wunderbare Blick vom Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein, von der Mosel in Richtung Balduinbrücke. Und wenn dann noch die Sonne untergeht…, schwärmt sie und beantwortet meine nächste Frage, was ihr denn in Koblenz weniger gefalle, mit einen leichten Kopfschütteln. Nein, ihr fällt spontan dazu nichts ein. Viel mehr beschreibt sie mir die vielen Möglichkeiten, die diese Stadt bietet: Kultur, Einkaufsangebote und natürlich die Lage. Das hat schon enorme Lebensqualität, sagt sie, schnell in der Innenstadt zu sein, alles fußläufig erledigen oder entdecken zu können, Erholung an den Ufern der Flüsse zu finden. Koblenz ist für mich eine Insel des Lebensgefühls, sagt sie plötzlich, lächelt und nickt.

Unmittelbar an ihrem Lieblingsplatz laden viele Geschäfte zum Einkaufen ein, Mai 2018

Je nach Lebenssituation kann sich die attraktive Mittvierzigerin gut vorstellen, später einmal dauerhaft in Koblenz zu leben. Wenn ich mal umziehen sollte, dann nur nach Koblenz, schmunzelt mein sympathisches Gegenüber und führt verschiedene Alternativen an, so eine Stadtaltbauwohnung oder eine kleine Oase im Stadtteil Güls, weil dieser so nah am Wasser liegt. Auch verbindet sie mit der Stadt viele Produkte aus regionalem Anbau, wie Obst und Gemüse, Säfte und Wein. Auch das gehört für mich zu einem guten Lebensgefühl, betont sie.

Plötzlich fällt ihr dann doch noch etwas ein, was sich in Koblenz verbessern ließe. Der Verkehrsfluss lässt sich sicher optimaler regeln, äußerst sie, weniger Staus, weniger Lärm, weniger Abgase, auch das macht eine Stadt lebenswert.

Einem Gast würde Anne Weller die Koblenzer Altstadt zeigen, vom Deutschen Eck hinauf zur Festung blicken. Keine klassische Stadtführung, eher ein Bummel am Abend, erklärt sie mir, dann legen die Schiffe an den Flussufern an, Menschen bummeln durch die schmalen Gassen oder sitzen draußen in den vielen Lokalen. Mein Gast würde das Lebensgefühl dieser Stadt spüren und mich verstehen, wenn ich ihm sage, dass die Stadt wunderschön ist. Und sie würde ihm erzählen, wie vielfältig das kulturelle Angebot in Koblenz ist. Ihm berichten von Konzerten oder von Kleinkunst auf der Festung Ehrenbreitstein, in der Kulturfabrik oder im Cafe Hahn, von Musik und Kurzweil beim Altstadtfest oder Schängelmarkt oder von den Veranstaltungen im Koblenzer Theater. Mein Gast würde feststellen, dass er unbedingt wiederkommen muss, schwärmt sie und ihre Augen blitzen.

Bei unserem kurzweiligen Gespräch vergesse ich, dass ich Anne Weller heute zum ersten Mal persönlich treffe. Wir haben uns über ein soziales Netzwerk zu diesem Interview verabredet. Es ist schön, mit ihr so ungezwungen und munter über unsere Wahlheimatstadt zu plaudern und dabei die eine oder andere Gemeinsamkeit zu entdecken. Eine meiner zentralen Interviewfragen habe ich ihr allerdings an diesem Nachmittag noch nicht gestellt. Und jetzt, nach ihrem Lieblingsplatz gefragt, bin ich auf diese Antwort besonders neugierig.

Anne Weller an ihrem Lieblingsplatz, Mai 2018

Mein Lieblingsplatz ist das „ALEX“, sagt sie und deutet mit der rechten Hand auf die schräg gegenüber liegende Location. Ich bin dort vor zwei Jahren meinem Mann das erste Mal begegnet. Ich habe mit Freunden an einem der kleinen Tische draußen gesessen… Sie erzählt mir ihre Geschichte. Währenddessen wandert ihr Blick immer wieder hinüber zum „ALEX“. Auch heute stehen die kleinen Tische vor dem Lokal. Wir gehen samstags oft in Koblenz bummeln, verrät sie mir, und immer wenn wir am „ALEX“ vorbeikommen, drücken wir ganz liebevoll einander die Hand. Ich höre zu und erfreue mich mit Anne Weller an ihren Erinnerungen.

Ich lasse meiner heutigen Gesprächspartnerin noch etwas Zeit für ihre Gedanken, bevor ich sie nach den Koblenzern befrage. Menschen wie in jeder anderen Stadt auch, vielleicht etwas „schängeliger“, lacht sie, sehr unkompliziert, freundlich, charmant. Ich habe schnell Kontakt gefunden und Freundschaften geschlossen. Es ist doch so, betont sie fest, wie ich einem Menschen gegenüber trete, entscheidet mit, wie er mir begegnet, überall, nicht nur in Koblenz. In dieser Stadt leben engagierte Koblenzerinnen und Koblenzer, die ihre Stadt lieben und Gäste jederzeit willkommen heißen.

Das wäre jetzt schön ein richtig schöner Schlusssatz für unser Gespräch, denke ich spontan, möchte aber dann doch noch von Anne Weller fünf Begriffe wissen, die ihre Stadt kurz beschreiben.

Nicht einfach, sagt sie und schaut wieder in Richtung ihres Lieblingsplatzes. Ein kurzer Moment und dann nennt sie Heimatstadt, klein aber oho, wunderbar gelegen, rausgeputzt in den letzten Jahren, Vielfalt im kulturellen Angebot. Sind das fünf Begriffe? fragt Anne Weller. Ich nicke. Es ist einfach schön hier, fügt sie spontan an. Das war jetzt aber wirklich der Schlusssatz, beschließe ich.

Ihr Lieblingsplatz, Mai 2018

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Anne Weller,47 Jahre, Wochenend-Koblenzerin
Lieblingsplatz: „ALEX“, Firmungsstraße

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