Tobias: Koblenz, ein guter Ort zum Leben

Zeitgleich zum Ausscheiden stellt der Fotograf Günter Weber die Fotos für das Projekt nicht mehr zur Verfügung. Dieser Beitrag ist daher ohne Fotos. Die Fotos werden nach und nach wieder ergänzt.

Tobias wohnt mitten in der Stadt, im Stadtteil Goldgrube, fußläufig nur wenige Meter vom Koblenzer Hauptfriedhof entfernt. Dieser Friedhof ist der Größte der Stadt, mit einem seltenen alten Baumbestand und mit sehenswerten Grabdenkmälern bedeutender Persönlichkeiten, wie dem Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz, Peter Altmaier, dem Verleger und Autoren von Reiseführern, Karl Baedeker oder dem Dichter Max von Schenkendorf. Irgendwie sind wir so gar nicht verwundert, dass dem Historiker und Archivar der drittgrößte Waldfriedhof Deutschlands so gut gefällt. Es ist sein Koblenzer Lieblingsplatz.

dem Alltagsstress einfach mal entfliehen.

Es sind nicht nur die Grabdenkmäler, die mich faszinieren, erzählt uns Tobias zu Beginn unseres Spaziergangs. Es sind vor allem die Ruhe, der schöne Blick auf die Stadt, das viele Grün, die mich hierher kommen lassen. Ich gehe oft hier spazieren, wenn ich dem Alltagsstress einfach mal entfliehen will. Wenn man über den Friedhof geht, an den Gräbern vorbei, erkennt man einmal mehr: Es ist wirklich nicht wichtig, was man ist. Egal welcher Herkunft, am Ende sind wir hier alle wieder vereint.

Die Gedanken von Tobias stimmen uns nachdenklich und wir gehen schweigend über den  ruhigen Ort, der wie ein terassenförmiger Landschaftspark angelegt ist. Ich weiß nicht, ob ich in Koblenz beerdigt werden möchte, sagt der gebürtige Aachener plötzlich in die Stille.

Dieser Satz bewegt uns zur Frage, ob Tobias sich hier wohl fühlt. Er nickt und schmunzelt. Ich war bereits 2006 für vier Monate in Koblenz, beruflich bedingt, bevor ich dann 2012 hierher umgezogen bin. Als ich nach dieser langen Zeit wieder zurück gekommen bin, habe ich die Stadt fast nicht wiedererkannt. Die BUGA war ein echter Entwicklungssprung für Koblenz. Ich habe nach meinem Studium lange in Bonn und in Ludwigsburg gelebt. Das war schon anders. Aber ich bin heute froh, die Entscheidung für Koblenz und nicht für Berlin getroffen zu haben. 

Das heißt ja schon, du magst Koblenz, fragen wir.
Ja, sagt Tobias bestimmt, es gefällt mir hier und ich werde vorerst bleiben. Ich bin kein großer Planer und ich weiß nicht, was in fünf oder zehn Jahren sein wird, aber jetzt bin hier in dieser Stadt, in der ich mich sehr wohl fühle. Koblenz hat alles, es gibt keine langen Wege. Zum Shoppen gehe ich gerne in die Stadt. Ich brauche keine Gewerbegebiete. Auch die Gegend um Koblenz ist fantastisch. Man ist sehr schnell in der Natur, aber auch schnell in anderen Städten. Koblenz liegt zentral, hat eine ansprechende Architektur und eine beeindruckende Geschichte. Es gibt markante Blickpunkte wie die doppeltürmigen Kirchen, Liebfrauenkirche, Florinskirche und Kastorkirche, die Festung Ehrenbreitstein, aber auch die weniger schönen Nachkriegsbauten oder die B 9 gehören zur Stadt.

Wir sind verwundert, warum Tobias gerade die Bundesstraße 9 erwähnt. Er lacht und erklärt uns, wie sehr diese Bundesstraße das Stadtbild prägt. Die B 9 geht mitten durch die Stadt und schneidet diese gefühlt in zwei Hälften. Das ist zwar unschön, aber man ist mit dem Auto schnell durch, in oder aus der Stadt. Das ist ein großer Vorteil und Zeitgewinn. Es sei denn, es gibt mal wieder Baustellen und Stau, scherzt Tobias.

Es gibt auch nicht wirklich viel, was mir in Koblenz nicht gefällt, stellt er wenige Minuten später fest. Lediglich den Nahverkehr findet er katastrophal. Für ihn sind Busfahrten viel zu teuer und die Anschlüsse sind schlecht aufeinander abgestimmt. Das kostet Zeit und bewegt die Autofahrer nicht, auf den Bus umzusteigen, meint er. Auch kulturell findet er das Angebot der Stadt angemessen, allerdings die Rhein-Mosel-Halle gefällt ihm so gar nicht. Na, und wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann … Nein, der Alemannia Aachen-Fan denkt nicht lange nach, er weiß, was er sich wünscht, … dann wünsche ich mir hier einen Verein, der attraktiven Fußball spielt und ein modernes Stadion dazu.

Und dann würdest du gemeinsam mit den Koblenzern für diesen Verein jubeln, scherzen nun wir. So viele Koblenzer kenne ich gar nicht, entgegnet uns Tobias, aber das liegt wohl eher an mir. Um rasch in Kontakt zu kommen, braucht es Anknüpfungspunkte, wie das Engagement in Vereinen. Das liegt mir aber weniger. Zudem bin ich am Wochenende oft noch in meiner alten Heimat Aachen oder auch in Köln oder Bonn. Ich mag die Koblenzer. Ich habe sie bisher nur als liebenswerte, herzliche, unkomplizierte und offene Menschen kennengelernt. Ach, sie sind nicht anders als Andere auch.

Wir spazieren gemeinsam weiter über den Koblenzer Hauptfriedhof. Was würdest du einem Fremden in deiner Stadt zeigen und sagen, fragen wir neugierig. Tobias antwortet spontan: Natürlich das Standardprogramm. Aber zunächst würde ich den Fremden auf einen Drink bei mir Zuhause einladen. Danach spazieren wir an der B 9 vorbei Richtung Löhrstraße, hinein in die Altstadt zur Liebfrauenkirche, hinunter ans Moselufer, vorbei am Deutschen Eck zur Seilbahn und dann geht es hinauf zur Festung. Alternativ spazieren wir weiter Richtung Schloss, der Schlosspark ist fantastisch, und von dort zurück in die Goldgrube, zu mir nach Hause. Und sagen würde ich ihm, kurz und knapp: Ich liebe diese Stadt! 

Das klingt eindeutig und überzeugend. Und wie würdest du Koblenz mit nur fünf Begriffen oder Sätzen beschreiben?
Tobias überlegt. Sein Blick geht Richtung Stadt, hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Nicht so einfach, sagt er, lasst mich einen Augenblick überlegen. Wir sitzen auf einer Bank in der Sonne, genießen die Stille. Es ist ein schöner Ort.

Irgendwann beginnt Tobias: Koblenz ist klein im Vergleich zu Städten in Nordrhein-Westfalen, Autofahrer freundlich und trotzdem Naturnah, klimatisch angenehm mit viel Sonne und keinem langen Winter, ein guter Ausgangspunkt für Reisen und Ausflüge, einfach ein guter Ort zum Leben.

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Dr. Tobias Herrmann, Jg. 1975, Historiker und Archivar
Lieblingsplatz: Koblenzer Hauptfriedhof

2 Kommentare

  1. Zu später Stunde habe ich den Artikel gelesen: Ich kann auch nur sagen „Koblenz ein guter Ort zum Leben. Ich habe hier gelebt, schon meine Eltern und Großeltern haben hier gelebt und den Koblenzer Friedhof, den mag ich sehr, ein Ort der Ruhe.

    1. Vielen Dank. Wir hoffen Ihnen noch viele Lieblingsplätze aus Koblenz zeigen zu können und freuen uns wenn Sie unsere Geschichten mit verfolgen.

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