Juliane: Koblenz ist zu meiner Heimat geworden

Juliane, August 2017

Langsam zieht das große, weiße Schiff die Mosel entlang Richtung Deutsches Eck. Urlauber stehen an der Reeling, winken, fotografieren, unterhalten sich. Ihre Stimmen kann man gut hören. Sie verlassen Koblenz frohgelaunt. Ich sitze am Moselufer zwischen Balduinbrücke und Deutschem Eck, genieße diese abendliche Atmosphäre und freue mich auf die junge Koblenzerin, die mir heute Abend ihren Lieblingsplatz hier vorstellen möchte.

Schon wenige Minuten später begrüßt mich eine sportliche junge Frau sehr fröhlich, sie lacht und sagt: Ist das Moselufer nicht wunderbar! Und schon sind wir mitten im Gespräch und ich frage sofort nach, warum ihr dieser Platz hier so gut gefällt.

…es ist immer etwas los!

Das ist gar nicht so einfach zu erklären, sagt sie, es ist eher ein Gefühl, dass ich schwer beschreiben kann. Ich bin sehr gerne hier, gehe am Moselufer oft spazieren oder auch joggen. Ich genieße die für mich besondere Atmosphäre, mag den Blick über die Mosel und vor allem, dass hier immer etwas los ist. Aber es war nicht einfach, meint sie, nur einen Lieblingsplatz in dieser Stadt zu benennen. Und dann beschreibt sie mir lange und überzeugend ihre Überlegungen, ihre Wahl zwischen den Rheinanlagen, mit denen sie wunderbare Kindheitserinnerungen verbindet, den Stufen am Deutschen Eck, wo sie oft mit ihrer Freundin sitzt und plaudert, der Koblenzer Altstadt, wo immer Betriebsamkeit herrscht, sogar am Sonntagmorgen beim Brötchen holen vor neun Uhr.

Fühlst du dich wohl in Koblenz, bist du hier Zuhause, möchte ich wissen.
Eigentlich schon. Zuhause ist für mich der Ort, an dem ich mich wohlfühle, wo meine Familie und meine Freunde leben. Und das ist in Koblenz so. Ich bin nicht hier geboren, erst 1994 mit meiner Familie in diese Stadt gekommen, aber das ist nicht ausschlaggebend für mich. Da wo ich geboren bin ist Herkommen, da wo ich und meine Familie leben, ist Zuhause. Und so ist Koblenz tatsächlich zu meiner  Heimat geworden, auch wenn ich keine geborene Koblenzerin bin.

Juliane genießt die Abende am Moselufer, unmittelbar am Deutschen Eck, August 2017

Die junge Frau schaut hinunter zur Mosel. Sie lächelt still vor sich hin, ganz in Gedanken und dann erzählt sie mir, dass sie dennoch eine Zeitlang überlegt hatte, die Stadt zu verlassen. Die Möglichkeiten nach dem Abitur waren für mich in Koblenz einfach nicht ausreichend, die angebotenen Studienmöglichkeiten an der hiesigen Universität weniger vielfältig. Letztendlich habe ich mich dann doch für das Studium in Koblenz entschieden, heute bereue ich das manchmal. Vielleicht wäre es gut gewesen, die Stadt einfach mal zu verlassen, aber nur wegen der fehlenden Möglichkeiten. Das betont Juliane mir gegenüber jetzt ganz bewusst.

Inzwischen lebt die selbstbewusste junge Frau mitten in der Stadt. Sie kennt sich hier aus, was ihr sehr wichtig ist. Und sie möchte bleiben, wenn sich das privat und beruflich mit der Stadt verbinden lässt. Trotzdem gibt es für Juliane noch einiges, was sich in Koblenz verbessern ließe, zum Beispiel die Verkehrsführung, die im Berufsverkehr immer wieder zu langen Staus führt oder die Parksituation in der Innenstadt, die ihrer Meinung nach viele vom Shopping-Bummel abhält. Und sie hat ganz konkrete Wünsche: Es braucht Plätze, an denen man in der Freizeit aktiv sein kann ohne erst lange mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr fahren zu müssen, zum Beispiel einen Minigolfplatz, einen Bootsverleih auf der Mosel, eine coole Cocktail- oder sogar Strandbar am Deutschen Eck, vielleicht auch eine große Dachterrasse mit Swimmingpool am Rande der Altstadt mit Blick auf die Mosel, ach, sie lacht so ansteckend, man darf ja mal „spinnen“. Und der Statt Strand, auch einer meiner Lieblingsplätze, könnte ruhig größer und zentraler sein…

Und dann überlegt Juliane eine Weile bevor sie weiterspricht und mir erklärt, dass auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt noch etwas verbessert werden könnten, trotz der beiden großen Einkaufszentren. Vielleicht hier und da etwas mehr Vielfalt und Auswahl, meint sie und nickt bekräftigend.

Spaziergang am Moselufer in Koblenz, im Hintergrund die Festung Ehrenbreitstein, August 2017

Gemeinsam bummeln wir am Moselufer in Richtung Deutsches Eck und Juliane erzählt voller Begeisterung, dass sie einem Gast auf alle Fälle ihren Lieblingsplatz zuerst zeigen würde. Später dann auch durch die Rheinanlagen bummeln und natürlich mit der Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein gondeln würde. Aber auch jetzt fällt es mir nicht leicht, die besonderen Plätze zu benennen, sagt sie nachdenklich, den Blumenhof, das Koblenzer Schloss, die Gässchen in der Altstadt, den Münzplatz, aber auch die vielen unterschiedlichen Lokale, all das sollte mein Gast schon gesehen und erlebt haben, bevor er die Stadt wieder verlässt.

Und was würdest du deinem Gast spontan über Koblenz sagen, frage ich neugierig.
Darüber habe ich auch schon nachgedacht, sagt sie, vielleicht so: Meine Stadt ist architektonisch schön, sehr vielfältig. Koblenz ist keine Großstadt, dennoch immer belebt. Man hat nicht das Gefühl, in der Masse unterzugehen, sondern trifft auch immer mal das ein oder andere bekannte Gesicht, wenn man unterwegs ist – das macht Spaß. Und Koblenz ist irgendwie auch herzlich.

Die BUGA hat Stadt und Menschen positiv verändert.

Herzlich? Und das bezieht  Juliane auf meine Nachfrage dann doch eher konkret auf die Koblenzer, die ihrer Meinung nach sehr offen und engagiert,  oft auch etwas gestresster sind als andere. So empfinde ich das eben, vielleicht begründet in meinen Erfahrungen während meines studentischen Aushilfsjob, sagt sie. Früher hatte ich auch mehr Kontakt zu Koblenzern, jetzt, wo ich nicht mehr in Koblenz arbeite, beschränkt sich das ja eher auf den Freundeskreis. Aber stolz sind wir auf unsere Stadt. Mit der BUGA hat sich nicht nur die Stadt, sondern haben sich auch die Menschen in der Stadt verändert, positiv, dass wollte ich dir unbedingt noch sagen. Juliane hat „wir“ gesagt und das ziemlich stolz.

Und nur wenig stellt sie dann fest, wohl eher mehr zu sich selbst sprechend, dass keine Stadt sie bisher wirklich so gereizt hat, um Koblenz dauerhaft zu verlassen. Und wenn, dann muss es nicht nur für sie sondern auch für ihren Partner passen und die Entfernung nach Koblenz darf nicht allzu groß sein.

Magst du mir deine Stadt noch mit fünf Begriffen oder in fünf Sätzen beschreiben, stelle ich meine letzte Frage. Sehr gerne, antwortet Juliane spontan. Koblenz ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, in der ich mich wohlfühle und noch lange bleiben mag. Koblenz ist repräsentativ und hat für mich alles, was ich brauche um glücklich zu sein.

Wir plaudern noch lange entspannt über Koblenz, über die vielen unterschiedlichen Stadtteile, über mögliche Freizeitaktivitäten,  über die vielen Feste in der Altstadt oder auf der Festung Ehrenbreitstein, über Kultur und über Julianes Lieblingslokale. Mir wird dabei wieder einmal bewusst, dass die Stadt tatsächlich für Jeden etwas bietet und dass es Lust und Freude macht, all das zu entdecken.

Und als wir uns dann verabschieden, sagt Juliane so wunderbar herzlich: Ich erzähle Jedem sehr gerne, dass ich aus Koblenz komme.

Blick am Moselufer entlange zur Koblenzer Altstadt, zwischen Deutschem Eck und Balduinbrücke, August 2017

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Juliane V, Jg. 1988, trotz anderer Wurzeln in Koblenz Daheim
Lieblingsplatz: Moselufer, Nahe der Koblenzer Altstadt

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